Details zu den Statements der #genderwoche

Frauen in der Technik: Alexa und Siri

Frauen wählen deutlich seltener als Männer den Weg in Richtung eines technischen Studienganges, wie Ingenieurswissenschaften (https://www.gesis.org/cews/unser-angebot/informationsangebote/statistiken/thematische-suche/detailanzeige/article/studierende-nach-faechergruppe-und-geschlecht-2016). Die Gründe dafür können vielfältig und sehr individuell, allerdings auch struktureller Natur sein. „Mädchen sind besser in Sprachen und Jungs sind praktisch veranlagt“, das ist eine stereotype Vorstellung, die noch immer weit verbreitet ist. Um auch junge Frauen für ein technisches Studium zu motivieren, gibt es daher auch an der Hochschule Emden-Leer ein begleitendes Praktikum: das NiedersachsenTechnikum. Frauen mit einem Interesse und einer Begabung für technische Berufe sind also real und nicht nur als Stimmen in unseren Handys, Smartphones und Navigationssystemen vorhanden.

Joana Stephan

Ballermann und Spielerfrau

Unsere Sprache besteht nicht nur aus Grammatikregeln und festen, unveränderlichen Wortbedeutungen, sondern sie wandelt sich auch stetig. Neue Techniken, Gegenstände oder neue Konnotationen im gesellschaftlichen Kontext haben einen Einfluss auf die Sprache. Manchmal kommt es auch vor, dass Stereotype und Rollenbilder gesellschaftlich schon als überholt gelten, in der Sprache jedoch weiterhin bestehen. Das Geschlecht ist ein wichtiger Teil der Identität von Personen. Viele Personen- oder Berufsbezeichnung sind historisch u.a. nach dem damals ausübenden Geschlecht benannt, wie der Seemann oder die Krankenschwester. Gesellschaftlich ist diese geschlechtliche Zuschreibung bereits überholt, in der Sprache besteht sie allerdings weiter. Wir fordern alle auf, sensibel für solche sprachlichen Überbleibsel zu sein und laden Sie herzlich ein, kreative Neuschöpfungen oder geschlechtssensible Methoden zu entwickeln und auszuprobieren. Für weitere Information, Hintergründe und Umsetzungsmöglichkeiten empfehlen wir die Grundsätze für geschlechtersensible Sprache.

Joana Stephan

Genderst du schon oder überlegst du noch?

Wie können ganz praktische Umsetzungsmöglichkeiten aussehen, um Sprache geschlechtersensibel zu gestalten? Die Gleichstellungsstelle gibt hierzu eine klare Empfehlung: kreativ, der Genderstar oder der Unterstrich. Klingt eher kryptisch und gar nicht so klar? Hier eine Erklärung zu den empfohlenen Varianten: Eine kreative Möglichkeit ist beispielsweise das Wort „Lehrpersonen“. Das Geschlecht ist bei dieser Personenbezeichnung nicht ersichtlich. Um aber Geschlechter nicht vollkommen auszuklammern, können Genderstar und Unterstrich helfen. Das jeweilige Zeichen wird an das generische Maskulinum gehängt (die Lehrer) und die weibliche Silbenendung (innen) wird ergänzt (die Lehrer*innen). Durch den Genderstar und den Unterstrich werden nicht nur weibliche und männliche Formen genannt, sondern es wird auch eine Lücke bzw. ein Star gelassen, um Menschen anzusprechen, die nicht in diese binären Geschlechterkategorien passen. Für weitere Information, Hintergründe und Umsetzungsmöglichkeiten empfehlen wir die Grundsätze für geschlechtersensible Sprache.

Joana Stephan

Frauenanteil in den Vorständen von Dax-Unternehmen: unter 15%

Oktober 2019: Erstmals wird eine Frau zur Vorstandsvorsitzenden eines Dax-Unternehmens berufen. Jennifer Morgan wird in Zukunft SAP führen, in einer Doppelspitze mit einem Mann. Deutsche Unternehmen hinken der globalen Konkurrenz deutlich hinterher. Die USA haben eine Frauenquote in den Vorständen der 30 größten Unternehmen von knapp 28%, gefolgt von Schweden und Großbritannien mit rund 22%. Deutschland liegt mit 14,7% weit darunter. (https://www.allbright-stiftung.de/berichte) Und auch die Gesamtquote von Frauen in Führungspositionen über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg ist mit rund 28% kein Abbild des Anteils erwerbstätiger Frauen. Warum ist das so? Es ist sicher ein Mix aus individuellen, strukturellen und kulturellen Gründen, die hier zusammenkommen. SAP arbeitet schon seit Längerem daran, Frauen im Unternehmen zu fördern, da ein geschlechterdiverses Team bessere Lösungen erziele. Dafür hat sich das Unternehmen eine Zielmarke von 30% Frauen in Führungspositionen bis 2022 gesetzt (https://www.sap.com/corporate/de/company/diversity/gender-intelligence.html). Hier wird eine diversitätsbewusste Unternehmenskultur mit strukturellen Vorgaben wie z.B. einer Quote kombiniert. Bisher spricht der Erfolg des Unternehmens für sich.

Lisbeth Suhrcke

Wer Macht Dein Geschlecht?

„Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ Das schrieb Simone de Beauvoir in ihrem Buch Das andere Geschlecht 1949 (dt. Übersetzung 1951). Das Geschlecht der Frau sei abhängig von seiner Sozialisation, Frauen eigneten sich im Laufe ihrer Entwicklung vom Kind zur Erwachsenen ein geschlechtliches Verhalten an, das sie von der männlichen Norm unterschied. Beauvoir meinte das durchaus selbstbewusst und betonte die Andersartigkeit der Frauen im Vergleich zur männlichen Norm. Für die Frauen- und Geschlechterforschung war Beauvoir eine wichtige Vorreiterin. Was Beauvoir nicht so sehr in den Fokus stellte: Wie sind die Machtbeziehungen zwischen den Geschlechtern? Welche Strukturen sorgen dafür, dass Geschlechterungleichheit aufrechterhalten bleibt? In der Frage ‚Wer macht dein Geschlecht?‘ steckt beides drin: Geschlechtliche Identität ist von gesellschaftlichen Machtstrukturen bedingt und gleichzeitig individuell veränderbar.

Lisbeth Suhrcke

Wer schrieb das erste Computerprogramm?

In Deutschland waren im Studienjahr 2017/2018 rund 18% aller Studierenden der Informatik Frauen. Als typischen Computernerd stellen wir uns eher einen jungen Mann als eine junge Frau vor – körperlich etwas vernachlässigt, ohne reale soziale Beziehungen. Dabei ergaben aktuelle Umfragen, dass Frauen z.B. unter den Gamer_innen mittlerweile fast genauso stark vertreten sind wie Männer. Was ist Vorurteil, was ist Empirie? Mit Vorurteilen hatte auch Anfang des 19. Jahrhunderts eine Frau zu kämpfen, die als Erfinderin des Computers in die Geschichte eingehen sollte: Ada Gräfin Lovelace. Sie erhielt 1842 den Auftrag, einen Bericht des Mathematikers Charles Babbage über seine Analytical Engine ins Englische zu übersetzen. Ihrer Übersetzung fügte sie nun eigene Überlegungen zum Unterschied von Rechenmaschine und Computer an und machte konkrete Vorschläge für eine Software zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen. Damit gilt sie als Erfinderin des ersten Computerprogramms. Lange wurde Lovelaces Bericht nur als Übersetzung der Ideen des in Cambridge lehrenden Professor Babbage rezipiert, mit dem sie gleichzeitig eng befreundet war. Dies war die Rolle einer Frau im 19. Jahrhundert: als Freundin, als Hilfskraft, als Laiin. Diese Lesart ist mittlerweile revidiert (https://www.frauen-informatik-geschichte.de/index.php-id=38.htm).

Lisbeth Suhrcke

Kontakt

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Netzwerksprecherin:
Prof. Dr. Silja Samerski (FB Soziale Arbeit und Gesundheit)

Netzwerkkoordination:
Jutta Dehoff-Zuch
E-Mail: gender[at]hs-emden-leer[dot]de

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