Sociotechnical Practices of Objectivation

An empirical examination of AI-based health apps for diagnosis (STePOn)

Laufzeit: Juni 2021 – Mai 2024

Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Emden/Leer und der Technischen Universität Braunschweig

Ausgangslage und Forschungsziel

Ein Ziel der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist es, Patient*innen informierte und objektive Entscheidungen zu ermöglichen. Gesundheits-Apps, die immer mehr auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren, versprechen zugleich personalisierte und objektive Gesundheitsinformationen und werden manchmal sogar als bessere Ärzt*innen angesehen. Im Forschungsprojekt untersuchen wir anhand KI-basierter Apps, was Objektivität hier genau bedeutet. Wir erforschen empirisch, wie Gesundheitswissen, das als objektiv gilt, sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Nutzung dieser Apps soziotechnisch erzeugt wird. Dabei arbeiten wir die Politiken der Klassifizierung (Star & Bowker) als Voraussetzung für die digitale Objektivierung gesundheitsbezogener Entscheidungen heraus.

Theoretische Perspektive

Wie die Wissenschaftsgeschichte und die (feministischen) Science and Technology Studies (STS) gezeigt haben, ist Objektivität keine a-historische Konstante, sondern wird durch die Wechselwirkung von sozialen Praktiken und technischen Artefakten hergestellt (Daston). Auch praxeologische Studien werfen die Frage auf, inwieweit KI-gestützte Entscheidungsfindung objektiv ist und was unter Objektivität verstanden wird. Im Forschungsprojekt fragen wir aus STS-Perspektiven, wie Praktiken der Klassifizierung zur Objektivität beitragen, und danach, welche Gruppen, Kenntnisse und Praktiken dabei ein- und ausgeschlossen werden.

Ausgangsthese/Forschungsstand

Gegenstand unserer Forschung ist die Herstellung und Nutzung von Gesundheits-Apps, die diagnostische und prognostische Elemente beinhalten. Unsere Ausgangsthese ist, dass (u.a. statistische und medizinische) Klassifikation eine zentrale Praktik im digitalisierten Gesundheitswesen darstellt, die das Soziale und das Technische miteinander verbindet. Auf Grundlage eines ethnographischen Ansatzes und theoretischer Konzepte der Akteur-Netzwerk-Theorie werden wir sowohl Nutzer*innen als auch Entwickler*innen teilnehmend beobachten und interviewen.

Forschungsfragen

Auf Seiten der Entwickler*innen erforschen wir folgende Fragen:

  • Wie werden medizinische Klassifikationen in technische Infrastrukturen übersetzt und schließlich von Nutzer*innen gedeutet?
  • Welche Entwicklungspraktiken bringen die App hervor?
  • Welche Kategorien werden dabei gebildet, welche Wissensformen und potenziellen Nutzer*innen(-gruppen) werden berücksichtigt?

Auf Seiten der Nutzer*innen erforschen wir folgende Fragen:

  • Wie verstehen sie die Ergebnisse der Apps und welche Bedeutung geben sie diesen?
  • Inwiefern schreiben sie ihnen Objektivität und epistemische Autorität zu?
  • Welche Gesundheits- und Wissenspraktiken gehen mit der Nutzung der App einher?

Forschungsbeitrag

Die erwarteten wissenschaftlichen Ergebnisse werden den öffentlichen Diskurs über Voreingenommenheit, Verzerrung („Bias“) und Objektivität in Bezug auf automatisierte bzw. KI-gestützte Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen und ihre sozialen Auswirkungen auf Körperwahrnehmung und Gesundheitsverständnis bereichern.

 

Kontakt

Anja Trittelvitz Dipl./M.A.

Hochschule Emden/Leer
Constantiaplatz 4, Raum V8a
26723 Emden
Telefon: +49 4921 807-1214
E-Mail: anja.trittelvitz(at)hs-emden-leer.de

Vita:

Anja Trittelvitz studierte Sozialarbeit/-pädagogik (Dipl.), Philosophie (B.A.) und Gender Studies (B.A./M.A.) in Hannover, Göttingen, Wien und Berlin mit einem Forschungsaufenthalt in Utrecht. Dabei war sie in verschiedenen Gremien der akademischen Selbstverwaltung tätig. Nach umfangreicher Berufspraxis im sozialen und feministischen Bereich, sowie psychotherapeutischer und ernährungswissenschaftlicher Ausbildung, promoviert sie seit Ende 2017 an der Technischen Universität Braunschweig (Promotionsprogramm „Konfigurationen von Mensch, Maschine und Geschlecht. Interdisziplinäre Analysen zur Technikentwicklung“). Dort war sie auch als wissenschaftliche Hilfskraft in der Gruppe „Gender, Technik und Mobilität“ bei Prof. Dr.-Ing. Corinna Bath tätig. Sie ist Mitglied der Society for Women in Philosophy Germany und der Fachgesellschaft Geschlechterstudien. Seit September 2021 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Sociotechnical Practices of Objectivation” an der Hochschule Emden/Leer.

Forschungsschwerpunkte:

  • Food Studies
  • Gesundheits- und Medizinsoziologie
  • Human-Animal-Studies
  • Feministische Philosophie

Aktuelle Forschungsprojekte:

Laufende Dissertation zum Thema: „Die Phänomene Biohacking und Orthorexie als Selbstoptimierung und Selbsttechnologie aus der Sicht von Gender Studies und Science and Technology Studies“ an der Technischen Universität Braunschweig.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt: Sociotechnical Practices of Objectivation. An Empirical Examination of AI Based Health Apps for Diagnosis“ an der Hochschule Emden/Leer (gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) und die Volkswagen Stiftung).

Veröffentlichungen:

Trittelvitz, Anja: Biohacking and Orthorexia as Methods of Self-Optimization and Technologies of the Self, Examined through the Perspective of Gender Studies and Science and Technology Studies. In: Büssers, Jan/Faulhaber, Anja/Raboldt, Myriam/Wiesner, Rebecca (Hg.): Gendered Configurations of Humans and Machines. Interdisciplinary Contributions. L'AGENda, Band 8. Opladen: Verlag Barbara Budrich, 2021, S. 119-125.

Grünewald, Jennifer/Trittelvitz, Anja (Hg.): Ernährung und Identität. Stuttgart: ibidem-Verlag, 2020.
Der Tagungsband geht aus der wissenschaftlichen Nachwuchstagung „Ernährung und Identität“ hervor, die 2018 in Kooperation mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Universität Osnabrück organisiert und durchgeführt wurde.

Trittelvitz, Anja: Wer is(s)t das Fleisch? Über die Inszenierung nicht-menschlicher Tiere und Frauen als verzehrbare Sexualware. In: Jennifer Grünewald/Anja Trittelvitz (Hg.): Ernährung und Identität. Stuttgart: ibidem-Verlag, 2020, S. 243-268.

Vorträge:

2022: „Warum ist feministische Wissenschafts- und Technikforschung wichtig?“, Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe GENDERmai an der Hochschule Emden/Leer.

2022: „Sociotechnical Practices of Objectivation“, Vortrag im Rahmen der Spring School der Fachgesellschaft Geschlechterstudien an der Universität Kassel.

2019: „Biohacking and Orthorexia as methods of self-optimization and Technologies of the Self, examined through the perspective of Gender Studies and Science and Technology Studies”, Posterpräsentation im Rahmen der interdisziplinären Konferenz zur Beziehung von Mensch, Maschine und Geschlecht an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

2019: „Ob Fleisch, ob Frau, wer weiß das schon genau? Über die Inszenierung nicht-menschlicher Tiere und Frauen als verzehrbare Sexualware“, Vortrag im Rahmen des Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie an der Universität Salzburg.

2018: „Lebst du noch oder optimierst du schon?“, Vortrag im Rahmen des Festes zum 15-jährigen Jubiläum des Braunschweiger Gender Zentrums an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

2018: „Musing, cruising, re/producing: An interdisciplinary dialogue on interdisciplinarity", Vortrag im Rahmen der European Feminist Research Conference an der Universität Göttingen.


Heike Gerdes

Hochschule Emden/Leer
Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
Constantiaplatz 4
26723 Emden

Raum V8a
Tel.: +49 4921 807-1630
E-Mail: heike.gerdes(at)hs-emden-leer.de

Arbeits- und Interessensgebiete

  • Gesundheitssoziologie
  • Diversity und Gender Studies
  • Science and Technology Studies
  • Demokratietheorien

Aktuelles Forschungsprojekt

Kooperationsprojekt mit der Technischen Universität Braunschweig: „Sociotechnical Practices of Objectivation. An empirical examination of AI-based health apps for diagnosis”
Laufzeit: Juni 2021 – Mai 2024, gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) und die Volkswagen Stiftung

Vita

Heike Gerdes studierte Soziale Arbeit (B.A.) und Public Administration (B.A.) mit Schwerpunkt Öffentliches Recht in Hannover, Emden, Lima und Málaga. Zurzeit studiert sie nebenberuflich den Masterstudiengang „Soziale Arbeit und Gesundheit im Kontext Sozialer Kohäsion“ mit der Vertiefung Gesundheitswissenschaften an der Hochschule Emden/Leer. Seit September 2021 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Sociotechnical Practices of Objectivation”. Sie ist Mitglied in der Fachgesellschaft Geschlechterstudien.

Das Projekt ist Teil der Initiative „Niedersächsisches Vorab“, Ausschreibung „Die digitale Gesellschaft“ und wird gefördert vom Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Volkswagenstiftung.