Open Access

Immer häufiger hört man im Wissenschaftsbereich die Forderung, Literatur "Open Access" zu veröffentlichen. Doch was bedeutet das für Publizierende und Lesende? Auf dieser Seite möchten wir Ihnen das Prinzip und wichtige Sekundärquellen kurz vorstellen.

Open Access - aber wie?

Open Access bezeichnet die freie Zugänglichkeit wissenschaftlicher Literatur online. Im engeren Sinn ist das Ziel von Open Access, Wissen und Information ohne finanzielle, technische oder rechtliche Barrieren über das Internet zugänglich und nachnutzbar zu machen.

Die gängigste Definition von Open Access wurde in der Budapester Erklärung von 2002 formuliert:

"Open Access meint, dass diese Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, sodass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internetzugang selbst verbunden sind. In allen Fragen des Wiederabdrucks und der Verteilung und in allen Fragen des Copyright überhaupt sollte die einzige Einschränkung darin bestehen, den jeweiligen Autorinnen und Autoren Kontrolle über ihre Arbeit zu belassen und deren Recht zu sichern, dass ihre Arbeit angemessen anerkannt und zitiert wird."

Budapest Open Access Initiativ (2002) https://www.budapestopenaccessinitiative.org/translations/german-translation

Gefordert und unterstützt wird die Transformation zu Open Access im Hochschulbetrieb unter anderem durch die Europäische Union (EU), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Die Bundesregierung formulierte in ihrer Koalitionsvereinbarung zur Legislaturperiode 2021-2025 das Ziel, Open Access und Open Science zu stärken und Open Access als gemeinsamen wissenschaftlichen Standard zu etablieren. 

Der Wissenschaftsrat hat seine Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access im Januar 2022 veröffentlicht.

Es gibt viele gute Argumente, die dafür sprechen, den Wandel zu Open Access zu vollziehen.

Schneller und kostenfreier Zugang

Unter Open Access veröffentlichte Publikationen sind für alle Interessierten, sowohl das wissenschaftliche Publikum als auch die breite Öffentlichkeit, schnell und kostenlos zugänglich. So werden räumliche, monetäre und zeitliche Beschränkungen von Bildung abgebaut und eine Doppelfinanzierung durch die Finanzierung der Forschung an Hochschulen und den späteren Erwerb der Zeitschriften durch Hochschulbibliotheken vermieden.


Mittelvergabe

Forschungsprojekte werden zumeist aus öffentlichen Mitteln finanziert. Die entsprechenden Förderer machen häufig Open-Access zur Bedingung für die Vergabe ihrer Mittel, um den Nutzen für die zahlende Öffentlichkeit sicher zu stellen.


Erhöhte Sichtbarkeit und Zitierhäufigkeit

Open-Access-Artikel werden deutlich stärker genutzt und dadurch auch häufiger zitiert als Beiträge, die hinter einer Bezahlschranke stehen. Die höhere Zitationshäufigkeit und die verbesserte Sichtbarkeit tragen zum Renommee von Forschenden und ihrer Institutionen bei.


Verwertungsrechte verbleiben beim Autoren

Natürlich sind auch Open-Access-Publikationen urheberrechtlich geschützt. Allerdings wird dem Verlag kein ausschließliches Nutzungsrecht, sondern nur ein einfaches eingeräumt. Die AutorInnen bestimmen also selbstständig über eine weitere Verwertung ihrer Publikation.
Sie können die weitere Nutzung durch Lizenzen wie die Creative-Commons nach Ihren eigenen Wünschen definieren


Langzeitarchivierung

Die Archivierung auf Repositorien unter der Vergabe von sogenannten persistent Identifikatoren (z. B. DOI) erhöht die Verlässlichkeit und Dauerhaftigkeit des Zugriffs.


Forschungseffizienz

Die Veröffentlichung unter Open Access beschleunigt den Publikationsprozess. Häufig kann auch ein Preprint auf eigenen Webseiten oder auf Repositorien veröffentlicht werden. Auch durch diesen „early advantage“ wird eine höhere Zitierhäufigkeit erreicht.

Open-Access-Modelle bieten den Publizierenden neue Chancen zur Rechteverwaltung, können aber auch zu Unsicherheiten bezüglich der Vertragsbedingungen führen.

Um als vollständige Open Access Publikation zu gelten, muss nicht nur der freie Zugang gewährleistet sein, in der Berliner Erklärung wird auch gefordert Nutzern Kopier-, Verbreitungs- und Bearbeitungsrechte einzuräumen.

Um passende Lizenzmodelle zu finden, können Publizierende standardisierte Modelle verwenden. Auf der Internetseite der Creative Commons (CC) oder der Digital Peer Publishing Lizenzen (DPPL) können sie sich über die Standardvertragsmodelle informieren.

Weitere Informationen zu Creative Commons in der Lehre an der Hochschule Emden/Leer finden Sie hier.

In Diskussionen um das Thema Open Access werden Sie früher oder später mit den verschiedenen Publikationswegen in Kontakt kommen. Es gibt eine wachsende Anzahl an Begriffen für unterschiedlichste Modelle. Die wichtigsten vier Publikationswege und Bezeichnungen stellen wir Ihnen im Folgenden kurz vor. Für detaillierte Informationen zu den verschiedenen Modellen können Sie sich auf der Webseite des Open Access Networks informieren.

Gold

Der „goldene Weg“ bezeichnet die Publikation mit freiem, digitalem Zugang am originalen Erscheinungsort. Meistens betrifft dies Open Access Journals. Oft werden für die Veröffentlichung sogenannte article processing charges (APCs) erhoben. Manchmal werden Begriffe wie Platinum oder Diamant Open Access für Zeitschriften verwendet, die keine APCs verlangen. 

Green

Als „grüner Weg“ werden Publikationen bezeichnet die parallel zum Erscheinen in z. B. einer klassischen Zeitschrift auch auf einem Repositorium veröffentlicht werden. Diese Zweitveröffentlichung sollte möglichst zeitnah erfolgen und kann auf einem institutseigenen oder fachbezogenen e-Print-Server stattfinden. Häufig bestehen Verlage auf einer Sperrfrist von zwölf oder mehr Monaten oder gestatten nur die Veröffentlichung des Manuskripts prä Peer-Review.

Hybrid

Diese Kategorie bezeichnet nicht den Veröffentlichungsweg, sondern das Modell der publizierenden Zeitschrift. Hybride Zeitschriften arbeiten nach dem klassischen Subskriptionsprinzip, schalten aber einzelne Artikel gegen eine APC frei.

Closed

Closed Access bezeichnet den klassischen Publikationsweg. Ein Artikel wird in einer Zeitschrift veröffentlicht und um Zugriff zu erhalten, muss man diese käuflich erwerben.

 

    Eine berechtigte Sorge vieler Publizierender ist die Auswahl passender Open Access Journals für ihre Veröffentlichung. Im Zuge des Wandels zu mehr Open Access sind viele neue Zeitschriften entstanden, die mal mehr und mal weniger vertrauenswürdig sind. Manche Journals nehmen hohe Publikationsgebühren, haben aber ein unzureichendes Überprüfungsverfahren und bieten keine zuverlässige Peer-Review. Um eine Veröffentlichung in einem solchen „Predatory Journal“ zu vermeiden, sollten Sie folgende Beurteilungskriterien zugrunde legen.

    • Ist die Zeitschrift Ihnen oder Ihren Kolleginnen bereits bekannt?
    • Ist der Verlag einfach identifizier- und kontaktierbar? Gibt es ein adäquates Impressum mit Kontaktdaten auf der Homepage der Zeitschrift?
    • Werden auf der Homepage klare Aussagen zum Peer-Review-Verfahren der Zeitschrift gegeben?
    • Sind Artikel aus dieser Zeitschrift in von Ihnen genutzten Datenbanken auffindbar?
    • Ist das Kostenmodell transparent? Werden alle anfallenden Kosten auf der Webseite aufgeschlüsselt?
    • Ist das Editorial Board vertrauenswürdig? Ist die Tätigkeit im Editorial Board von den Mitgliedern auch auf deren eigener Internetseite kommuniziert?

    Zusätzlich ist es ein gutes Zeichen, wenn der Verlag Mitglied einer anerkannten Initiative oder eines Fachverbandes wie dem Committee on Publication Ethics (COPE) oder der Open Access Scholarly Publisher’s Association (OASPA) ist.

    Außerdem empfehlen wir eine Recherche in qualitätsgeprüften Datenbanken und Verzeichnissen für Journals, eine Listung in diesen spricht ebenfalls für die Vertrauenswürdigkeit der Publikation. Beispiele für solche Datenbanken sind: Directory of Open Access Journals (DOAJ) oder Interdisziplinäre Datenbanken wie Web of Science oder Scopus.

    Projekt DEAL

    Weitere Informationen über DEAL nebst einer FAQ-Liste für Autorinnen und Autoren finden Sie direkt auf der Projekt-Webseite.

     

    Publish & Read-Vereinbarungen (Transformationsverträge)

    Im Zuge der Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens hin zu mehr Open Access, spielen sogenannte Transformationsverträge (auch Publish-and-Read Verträge genannt) eine wesentliche Rolle.

    Die Hochschulbibliothek stellt allen Hochschulangehörigen (Status: corresponding author) nachfolgende Optionen zum Open Access-Publizieren bereit:

    Hogrefe PsyJOURNALS

    Laufzeit: 2022-2023

    Als Autor:innen der Hochschule Emden/Leer können Sie aufgrund eines Konsortialvertrags in den 29 hybriden Zeitschriften der Kollektion PsyJOURNALS von Hogrefe kostenfrei im Open Access publizieren.

    Informationen zu den Zeitschrifen finden Sie unter "Titel der Vereinbarung".

    FAQ für Autor:innen

    Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

    Sie sind Mitglied der Hochschule Emden/Leer und reichen als verantwortliche:r Corresponding Author das Paper ein.

    Bei Ihrem Artikel handelt es sich um einen Forschungsartikel bzw. Originalartikel. Kleinere Beiträge, Rezensionen, Nachrichten, Konferenz-Berichte u.a. fallen nicht unter den Vertrag.

    IOP Journals

    Laufzeit: 2022-2024

    Als Autor:innen der Hochschule Emden/Leer können Sie kostenfrei in 56 Hybrid- und 16 Open-Access-Zeitschriften von IOP mit unbegrenztem Artikelkontingent publizieren.

    Eine Liste der Zeitschriften finden Sie hier. (Liste A, B und D)

    Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

    Sie sind Mitglied der Hochschule Emden/Leer und reichen als verantwortliche:r Corresponding Author das Paper ein.

    Die Zeitschrift muss in der Vereinbarung enthalten sein.

    Publication Charge (APC) ist abgedeckt, Seitengebühren oder Publikationsgebühren, die nicht mit Open Access zusammenhängen, sind nicht in der Vereinbarung enthalten.

    Bei Ihrem Artikel handelt es sich um einen Primary Research Article der folgenden Artikeltypen: Letters, Papers, Reviews und Special Issue Articles.

    Springer Nature (DEAL)

    Laufzeit: 2020-2022

    Durch den DEAL-Vertrag können Publizierende der Hochschule Emden/Leer in 2.200 Hybridzeitschriften und weiteren 400 Gold-Open-Access-Zeitschriften veröffentlichen.

    Eine Liste der betreffenden Zeitschriften finden Sie hier. Die Abrechnung erfolgt über die Hochschulbibliothek.

    Open Access Publizieren mit DEAL

    Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

    Sie sind Wissenschaftler:in der Hochschule Emden/Leer und reichen als verantwortliche:r Corresponding Author das Paper ein. 

    Ihre institutionelle Zugehörigkeit geben Sie bei der Einreichung eindeutig an.

    Bei Ihrem Artikel handelt es sich um einen der folgenden Artikeltypen:

    • In Hybrid-Zeitschriften ("Open Choice"): Original Paper, Review Paper, Brief Communication, Editorial Notes, Book Reviews, Letters, Reports.
    • In Open-Access-Zeitschriften ("Fully Open Access"): Original Paper, Review Paper, Brief Communication
    • In Facharztzeitschriften ("Facharztzeitschrift"): Original Paper, Review Paper, Brief Communication

    Wiley (DEAL)

    Laufzeit: 2019-2022

    Der DEAL-Vertrag ermöglicht Studierenden und Beschäftigten der Hochschule Emden/Leer lesenden Zugriff auf das gesamte Portfolio an elektronischen Zeitschriften des Wiley-Verlags.

    AutorInnen können in 1.420 Subskribtionszeitschriften und zusätzlich in 110 Gold-Open-Access-Zeitschriften publizieren. Die Abrechnung erfolgt über die Hochschulbibliothek.

    Eine vollständige Liste der Wiley-Zeitschriftentitel, die vom DEAL-Vertrag abgedeckt werden, finden Sie hier.

    Open Access Publizieren mit DEAL

    Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

    Sie sind Wissenschaftle:rin der Hovhschule Emden/Leer und reichen als verantwortliche:r Corresponding Author das Paper ein. 

    Ihre institutionelle Zugehörigkeit geben Sie bei der Einreichung eindeutig an.

    Bei Ihrem Artikel handelt es sich um Original-Forschung (primary research) oder einen Review-Artikel.

    Der Artikel wurde am / nach dem 1. Juli 2019 zur Publikation akzeptiert (nur relevant bei Hybrid-Zeitschriften).

    Wenn Sie Fragen zu den Bedingungen der Verträge haben oder sich sonstige Fragen ergeben, freuen wir uns jederzeit über Ihre E-Mail unter: openaccess|at|hs-emden-leer.de