DE | EN

Article

Naturspektakel lockte Hunderte auf den Friesenhügel

Auf dem Emder Friesenhügel tummelten sich am Mittwochabend viele Schaulustige, um den besonderen Moment der partiellen Sonnenfinsternis gemeinsam zu erleben.

Hochschule und Astronomie Club Ostfriesland informierten rund um die partielle Sonnenfinsternis

Zu einer etwas anderen Art des Public Viewings haben sich am Mittwochabend mehrere hundert Schaulustige auf dem Emder Friesenhügel getroffen. Bei der gemeinsamen Aktion der Hochschule Emden/Leer und des Astronomie Clubs Ostfriesland tummelten sich Familien, Studierende, Jugendliche und Senioren auf dem Plateau der ehemaligen Mülldeponie, um die angekündigte partielle Sonnenfinsternis zu beobachten. Für Kinder und Jugendliche wurde eine Bastel- und Malaktion angeboten. 

Der Himmel konnte dabei auf unterschiedliche Weise ins Visier genommen werden: mit speziellen Schutzbrillen, durch professionelle Teleskope oder mit einer großen Camera Obscura in einem Pavillon des Astronomie Clubs.  Denn sowohl die Clubmitglieder als auch Prof. Dr. Philipp Huke und seine Studierenden nutzten das Event, um Messungen vorzunehmen und neue Instrumente zu erproben. „Das ist natürlich eine Riesenchance für uns. Wir führen in der Öffentlichkeit wissenschaftliche Experimente durch. So können wir das Spektrum des Bereichs Technik an der Hochschule zeigen“, so Huke. Dafür wurde viel Elektrotechnik, Mechanik, Mechatronik und Elektronik aufgefahren. Die Messungen der Bestandteile sind historisch der Chemie zuzuordnen, aus der die Spektrophysik entstanden ist. „Ob die Messung ein Erfolg war, werden wir erst in zwei bis drei Monaten sehen“, erklärte Huke. So lange dauert es mindestens, um die Daten exakt auszuwerten. „So oder so ist es ein Riesenerfolg für uns“, freute sich der Professor, der am Fachbereich Technik der Hochschule Emden/Leer lehrt. Im Bereich der Forschung ist er unter anderem an der Realisierung des internationalen Großprojekts ANDES beteiligt. Der ArmazoNas High-Dispersion Echelle Spectrograph ist eines der ambitioniertesten Projekte in der Geschichte der Astroinstrumentierung – mehr als 250 Forschende, Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten in dem Projekt mit. 

Bevor sich der Mond vor die Sonne schob, konnte durch die großen, technisch hoch empfindlichen Teleskope auch bereits vieles bestaunt und gelernt werden. Zum Beispiel ein kleiner Fleck in Form eines Fisches, der beim Blick durch eines der hoch empfindlichen Teleskope wie ein Ausreißer neben dem großen Sonnenkreis erscheint. „Das ist ein Sonnensturm“, erklärt einer der Studierenden aus dem Studiengang Engineering Physics. Ein Sturm kann in diesem Bereich viele Jahre zu sehen sein – ganz anders, als man ihn auf der Erde erleben würde. Für Kinder gab es ein Bastelangebot vom Familienservice der Hochschule, und der Abiturjahrgang des Johannes-Althusius-Gymnasiums verkaufte Getränke. Auch die Mitglieder des Astronomie Clubs hatten einiges zu erzählen, bis immer mehr der Anwesenden den bebrillten Blick in Richtung Himmel warfen. Von Trubel und Helligkeit war durch den Schutzfilter nichts mehr zu sehen – allein die Sonne, auf der sich ganz langsam ein sichelförmiger Schatten schob, erschien als bläulich-helles Objekt in der schwarzen Umgebung. Die Wärme des Tages wich einer leichten Kühle, und ein Schatten legte sich über die Anwesenden auf dem Friesenhügel. 

Zuletzt gab es ein ähnliches Phänomen am11. August des Jahres 1999. Damals konnte über Deutschland eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden. Diese entsteht, wenn Sonne, Mond und Erde bei Neumond für kurze Zeit komplett in einer Reihe stehen. Bei einer partiellen Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond nicht komplett vor die Sonne, das Tageslicht wirkt daher nur etwas gedämpft. Am besten zu sehen war die Verdunklung der Sonne am Mittwoch in Spanien, wo sich ebenfalls einige Mitglieder des Astronomie Clubs aufhielten und ihre Begeisterung und Bilder an die anderen schickten.

Die nächste partielle Sonnenfinsternis soll am 2. August 2027 zu sehen sein.