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Nachhaltigkeit im Fokus

Bild: Privat

Jann Klokkers widmete seine Anschlussarbeit der doppelten Wesentlichkeitsanalyse

Mit der Umsetzung des „EU Green Deals“ stehen umsatzstarke Unternehmen vor einer neuen Herausforderung: Sie müssen einer Nachhaltigkeitsberichtspflicht nachkommen, für die sie ihr Geschäftsmodell mit Blick auf Nachhaltigkeitsthemen durchleuchten müssen. Einer Methode, die die Umsetzung erleichtern und zugleich die Transparenz der tatsächlich eingehaltenen Vorgaben erhöhen soll, hat der Absolvent Jann Klokkers seine Bachelorarbeit im Studiengang Betriebswirtschaftslehre (B.A.) gewidmet.

Mit den europäischen Nachhaltigkeitsstandards (ESRS) hat die EU einen regulatorischen Rahmen geschaffen, der umsatzstarke Unternehmen verpflichtet, ihre Auswirkungen auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) offenzulegen. Die sogenannte doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist dabei das zentrale Instrument, mit dem Unternehmen bestimmen, welche Themen für ihren Nachhaltigkeitsbericht relevant sind: Die Analyse zeigt auf, welche Faktoren vorhanden sind, und wie deren Auswirkungen auf die Umwelt und das Unternehmen zu bewerten sind. 

„Bei dieser Analyse haben die Unternehmen sehr viele Freiheitsgrade, sodass die Berichte teilweise nur schwer vergleichbar sind“, so Prof. Dr. Knut Henkel, der die Arbeit von Jann Klokkers betreute. Klokkers griff daher die Frage auf, wie die doppelte Wesentlichkeitsanalyse methodisch fundiert und nachvollziehbar quantifiziert werden kann, und ob es Zahlen für Schwellenwerte gibt, an denen sich Unternehmen orientieren können. Dafür wertete er die Nachhaltigkeitsberichte der DAX-40-Unternehmen für das Jahr 2024 aus und entwickelte ein standardisiertes Analyseraster, mit dem die Offenlegungsanforderungen der ESRS erfasst und verglichen werden können. 

„Dieser Ansatz schließt eine methodische Lücke, die in Wissenschaft wie Praxis bisher kaum adressiert wurde“, betont Henkel, auf dessen Empfehlung hin die Bachelorarbeit für den Emder Nachhaltigkeitspreis nominiert wurde. Die erarbeiteten Vergleichsmaßstäbe könnten direkt als Orientierungshilfe dienen und seien damit auch für Unternehmen und Banken in der Region Ostfriesland unmittelbar relevant.

Auch in der Fachwelt fand die Arbeit Anerkennung. Die zentralen Erkenntnisse erschienen in der Ausgabe 06/2026 der Fachzeitschrift IRZ (Internationale Rechnungslegungszeitschrift) des C.H. Beck Verlags. Darüber hinaus floss die Bachelorarbeit in die wissenschaftliche Publikation von Prof. Dr. Knut Henkel u. a. zu „Doppelte Wesentlichkeitsanalyse nach ESRS –  Quantifizierung von Schwellenwerten am Beispiel der DAX- und MDAX-Nachhaltigkeitsberichterstattung 2024“ ein, die zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. 

Für Jann Klokkers war die Bachelorarbeit weit mehr als ein erfolgreicher Studienabschluss: Derzeit bereitet er sich auf das Wirtschaftsprüferexamen vor und profitiert dabei stark von seiner eigenen Forschung. Denn im Berufsalltag eines Wirtschaftsprüfers wachsen klassische Rechnungslegungs- und neue Nachhaltigkeitsthemen zunehmend zu einer Einheit zusammen.