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„Inseln des Gelingens“ sichtbar machen

Prof. Dr. Uwe Schneidewind referierte bei den „Emder Vorträgen“

Keine Schreckensszenarien, kein düsterer Blick auf die Folgen des Klimawandels, sondern Hoffnung und Zuversicht waren die Dinge, die Prof. Dr. Uwe Schneidewind am Dienstagabend während seines Vortrags zum Thema „Warum Nachhaltigkeit jetzt? Eine Antwort auf die Zweifel unserer Zeit“ mitbrachte. Der Wirtschaftswissenschaftler und Autor war auf Einladung der Hochschule Emden/Leer und der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) als Referent der „Emder Vorträge“ in die Johannes a Lasco Bibliothek gekommen.

Für den Wuppertaler war es bereits das zweite Gastspiel in der Vortragsreihe, zu der Hochschule und VDW seit mehr als zehn Jahren einladen, um mit der Bevölkerung zu aktuellen gesellschaftsrelevanten Themen in den Dialog zu treten. Dass er mit seinem ebenso unterhaltsamen wie wissenschaftlich fundierten Vortrag am Dienstag ein größtenteils junges Publikum ansprach, freute wiederum Prof. Dr. Maren Grautmann ganz besonders. „Viel zu oft übergehen wir die Zukunftssorgen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, so Grautmann, die die Gäste als Vizepräsidentin der Hochschule für Forschung, Wissenstransfer, Vielfalt und globale Verantwortung ebenso wie Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff begrüßte. Für Kruithoff war die Perspektive des Referenten auch aus einer anderen Warte spannend: Schneidewind ist ehemaliger Bürgermeister der Stadt Wuppertal und somit bestens vertraut mit dem Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Anspruch und kommunalpolitischer Realität.

Ganz gleich, in welcher Funktion: dass Schneidewind bereits seit Langem für das Thema Nachhaltigkeit brennt, wurde dem Publikum, in dem sich auch viele Schülerinnen und Schüler befanden, schnell bewusst. Der Referent gab einen Überblick zur Entwicklung des Nachhaltigkeitsbewusstseins in Politik und Bevölkerung. Nach der Aufbruchstimmung, die gegen Ender der achtziger Jahre sowie mit den Beschlüssen der Pariser Klimakonferenz und der „Fridays for Future“-Bewegung zu spüren war, sei es in den vergangenen Jahren wieder stiller um das Thema geworden. „Klima- und Nachhaltigkeitsfragen befinden sich gefühlt in einem erheblichen Gegenwind“, so seine Beobachtung. Ein oft zu beobachtendes Politikverständnis, dass Macht- vor Sachpolitik stelle, verdränge mitunter idealistische Ansätze. Die Finanzierbarkeit der Umsetzung sei zudem oft als ungewiss angesehen.

Doch genau in dieser Phase des Zweifelns sei es wichtig, Menschen auf zeitgemäße Weise und mit den richtigen Themen zu erreichen, indem man etwa die Erfolgsgeschichten in puncto Nachhaltigkeit noch bekannter mache, so Schneidewind. Diese „Inseln des Gelingens“ gelte es zu identifizieren. So nannte er die bereits sehr gute Versorgung im Land durch regenerative Energien, die es auszubauen gelte, um so etwa in Katastrophenfällen nicht durch geopolitische Abhängigkeiten ausgebremst zu werden. Als lokales „Insel“-Beispiel führte er den seit vielen Jahren aktiven Klimarat des Emder Max-Windmüller-Gymnasiums an. „Jede Form des Krafteinsatzes lohnt sich“, zeigte sich der Referent überzeugt.

Bei einer Podiumsdiskussion, moderiert von den Studierenden Noah Köckler und Vanessa Busse vom Business Campus der Hochschule am Standort Leer, wurden anschließend verschiedene Fragen diskutiert, denen sich neben Prof. Dr. Uwe Schneidewind auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff, Ökowerk-Geschäftsführerin Dr. Katharina Mohr und die Studentin Lina Marie Buck stellten. Dabei wurde auch das Publikum mit einbezogen. Auch Buck bemängelte die fehlende Präsenz nachhaltiger Themen im öffentlichen Diskurs. „Macht die Erfolge sichtbar, damit wir die Hoffnung nicht verlieren“, lautete der abschließende Apell der Studentin.