Niedersachsen Technikum als „Erfolgskonzept“ bestätigt

Unabhängige Agentur ZEvA veröffentlicht Evaluationsbericht

Emden – Das Niedersachsen Technikum ist ein „Erfolgskonzept“: Zu diesem Schluss kommt der frisch veröffentlichte Evaluationsbericht der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur (ZEvA). Das MINT-Berufsorientierungsprogramm wird seit einigen Jahren auch an der Hochschule Emden/Leer angeboten und ermöglicht jungen Frauen einen unverbindlichen Einblick in das Leben einer Studentin und Ingenieurin.

In ihrem von der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen beauftragten Bericht bezeichnet die unabhängige Gutachtergruppe das Angebot als „ein sehr gutes und langjährig erprobtes Programm zur Studien- und Berufsorientierung junger Abiturientinnen“, wie die Akkreditierungsagentur mitteilte. „Der Schwerpunkt des Programms ist ein Ermutigungs- und Motivationskonzept für die Teilnehmerinnen, das ihre Kompetenzen und Stärken im Hinblick auf Praxis und Theorie von MINT-Studiengängen und technischen Berufen aufzeigt, wertschätzt und zur Entfaltung bringt“, so die Gutachtergruppe. Sie empfiehlt dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur daher eine weitere Förderung des Niedersachsen Technikums.

An der Hochschule Emden/Leer haben bisher 77 Teilnehmerinnen das Niedersachsen Technikum in Kooperation mit regionalen Unternehmen durchlaufen. Dabei besuchen die Technikantinnen ein halbes Jahr lang Vorlesungen aus technischen Studiengängen der Hochschule und schnuppern zudem in die Abläufe eines teilnehmenden Unternehmens wie etwa Enercon oder Volkswagen hinein. Koordinatorin Christel Boven-Stroman teilt die Einschätzung der Sachverständigen: „Mit dem Programm gewinnen wir erfolgreich talentierte Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe. Die Erfahrungen im Niedersachsen-Technikum helfen den Absolventinnen eine bewusste Studienentscheidung zu treffen, denn sie bekommen ein Bild davon, wie der Beruf nach dem Studium aussehen könnte und wofür sie studieren möchten“, so Boven-Stroman. Dies verringere das Risiko eines späteren Studienabbruchs. Christel Boven-Stroman betreut das Programm in der Gleichstellungsstelle der Hochschule Emden/Leer seit nunmehr acht Jahren.

Das Niedersachsen-Technikum ist ein MINT-Berufsorientierungs-Angebot für junge Frauen, das mit einer Erfolgsquote von 90 Prozent Schulabsolventinnen mit Abitur oder Fachabitur zu einer Entscheidung für ein technisches Studium respektive eine technische Ausbildung führt. Das erfolgreiche Kooperationsprogramm niedersächsischer Hochschulen und Unternehmen wurde 2010 erstmalig an der Hochschule Osnabrück erprobt und wird seit 2012 mit Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur an weiteren Hochschulen und Universitäten in Niedersachsen angeboten. Aktuell beteiligen sich neun Hochschulen und Universitäten sowie 104 regionale Unternehmen an dem Kooperationsprogramm, das von der Stiftung NiedersachsenMetall unterstützt wird.

 

Der Evaluationsbericht ist einsehbar unter: https://www.zeva.org/evaluation/pruefungswesen.

Abschluss in besonderen Zeiten

Teilnehmerinnen des Niedersachsen Technikums verabschiedeten sich

Jungen Frauen ein halbes Jahr lang eine Vorstellung von ingenieurwissenschaftlichen Berufen und Studiengängen vermitteln – das ist das Ziel des „Niedersachsen Technikums“. Im jüngsten Durchgang haben 17 so genannte Technikantinnen seit September vergangenen Jahres daran teilgenommen – auch aus Ostfriesland. Über ihre Erfahrungen berichteten sie jetzt bei einer virtuellen Abschlussveranstaltung der Hochschule Osnabrück unter Beteiligung des niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler.

Kari Sandmann und Tomke Nessen absolvierten ihr Niedersachsen-Technikum an der Hochschule Emden/Leer und besuchten dort Vorlesungen in Elektrotechnik und Mathematik. „Unser Praktikum haben wir zusammen in der Firma ENERCON gemacht“, erzählt Kari Sandmann. Seit 30 Jahren gehört das Unternehmen mit Hauptsitz in Aurich zur weltweiten Spitze im Bereich der Windenergie. „Wir haben viel Neues gelernt und zwei eigene Projekte praktisch umgesetzt“, so Tomke Nessen. Zuerst wurde ein dreistöckiger Fahrstuhl programmiert und die Software auf das Modell übertragen. Danach haben die beiden jungen Frauen mit Unterstützung einer Technikerin eine Stromwandlerbox gebaut.

Während der digitalen Abschlussveranstaltung berichteten alle Teilnehmerinnen über ihre Erfahrungen. Im Mittelpunkt des diesjährigen Programms stand das Thema Digitalisierung – was den Teilnehmerinnen aufgrund der besonderen Situation in der Corona-Pandemie sehr zugute kam. Rund 170 Gäste aus Politik, Unternehmen und Hochschulen sowie aus Familien und Freundeskreisen der „Technikantinnen“ hatten sich bei live dazu geschaltet. Bei der Frage nach dem schönsten Moment des Technikums waren sich Nessen und Sandmann einig: „Es war überwältigend und auch etwas unheimlich, in einen Testgenerator hineinzuklettern und auch die einzelnen Bauteile der Anlagen in realen Dimensionen zu sehen“, meinten beide. Auch ihre weiteren Pläne sehen ähnlich aus – die Technikantinnen wollen Elektrotechnik studieren.

In dem Berufsorientierungsprogramm für (Fach-)Abiturientinnen arbeiten niedersächsische Hochschulen, Universitäten und Unternehmen eng zusammen. Die Kandidatinnen kamen diesmal aus den Hochschulstandorten Braunschweig, Emden/Leer, Hannover und Osnabrück. Minister Thümler bezeichnete das Programm als „beispielgebend über die Landesgrenzen hinaus.“ Es trage dazu bei, „mehr Schulabsolventinnen für eine Ausbildung oder ein Studium im MINT-Bereich zu begeistern und so den dringend benötigten Fachkräftenachwuchs zu sichern.“ Rund 90 Prozent der Teilnehmerinnen entscheiden sich nach dem Technikum für eine berufliche Laufbahn im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (MINT).

Initiiert und erprobt wurde das Programm an der Hochschule Osnabrück von Prof. Barbara Schwarze und ihrem Team. Seit 2012 wird es mit Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur auch an weiteren Hochschulstandorten des Landes angeboten. „Für das nächste Niedersachsen-Technikum, das im kommenden September startet, können sich Interessierte schon jetzt anmelden“, erklärt Christel-Boven-Stroman, Koordinatorin des Programms an der Hochschule Emden/Leer. 

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Feierstunde mit 170 Gästen zum Abschluss in einer „besonderen Zeit“

Zentrale Pressemitteilung zur niedersachsenweiten Abschlussveranstaltung 2020/21

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„Eine coole Möglichkeit, mal etwas ganz Neues auszuprobieren“

Technikantinnen 20/21 finden Orientierung durch Praktikum und Schnupperstudium

Emden – Jura studieren – das war der Plan. Aber wären Naturwissenschaften nicht auch richtig spannend? Tomke Nessen erging es wie vielen jungen Menschen nach ihrem Schulabschluss: Viele Ideen und zu viele Möglichkeiten, und dazu noch die Corona-Krise. Da kam das Angebot, ein halbes Jahr lang unverbindlich in die Berufswelt und zugleich in das Campusleben hineinschnuppern zu können, wie gerufen: Seit August absolviert Tomke gemeinsam mit einer weiteren „Technikantin“ das Niedersachsen-Technikum – ein technisches Praktikum – bei der ELEKTRIC Schaltanlagenfertigung GmbH in Aurich.

„Wir sind dort mit den Auszubildenden aus verschiedenen Lehrjahren zusammen und verstehen uns alle richtig gut“, freut sich Tomke. Die Technikantinnen starten zunächst in der Ausbildungswerkstatt, wo ihnen die Grundlagen der Elektrotechnik vermittelt werden – theoretisch und auch praktisch. Danach lernen sie die einzelnen Fachbereiche besser kennen, indem sie dort selbständig kleine Projekte bearbeiten und den Beschäftigten über die Schulter schauen. „Eine coole Möglichkeit, mal etwas ganz Neues auszuprobieren“, meint Tomke.

Die 18-Jährige Kari Sandmann kann dies nur bestätigen. Sie ist extra für das Technikum von Schleswig-Holstein nach Aurich gezogen und könnte sich gut vorstellen, in der Region zu bleiben. „Ich wusste schon, dass ich gerne in die technische Richtung gehen möchte, aber nicht, ob ich das packe“, so die 18-Jährige. Diese Zweifel hat sie nun abgelegt und denkt darüber nach, eine Ausbildung zu machen. Aber auch der Einblick in den Studienalltag – wenn derzeit auch nur online – hat ihr gut gefallen. „Es war zum Beispiel toll, auch mal in eine Maschinenbau-Vorlesung reinhören zu können“, sagt sie.

„Das Programm bietet uns die Möglichkeit, den Teilnehmerinnen die technische Berufswelt näher zu bringen und aufzuzeigen, welche Wege ihnen offenstehen. Zugleich haben wir als Betrieb die Chance, das Personal von morgen zu gewinnen“, so Ralf Folkerts, Auszubildendenbetreuer in der ELEKTRIC Schaltanlagenfertigung GmbH. Dies ist bei der ELEKTRIC Schaltanlagenfertigung GmbH auch bereits geschehen: „Wir konnten in den vergangenen Jahren schon mehrere Technikantinnen für das Unternehmen gewinnen, sowohl für eine Ausbildung als auch für ein duales Studium. Und auch danach sind diese dem Betrieb erhalten geblieben“, so Folkerts.

Thora Rieper ist seit dem 1. September bei Orgadata in Leer und absolviert dort das Technikum im Bereich Softwareentwicklung. Das international tätige Unternehmen ist seit vier Jahren Kooperationspartner beim Niedersachsen Technikum und hat bisher fünf Technikantinnen betreut, von denen zwei junge Frauen anschließend eine Ausbildung im Betrieb machten. Auch Thora ist froh, das Programm für die eigene Orientierungsphase genutzt zu haben und strebt eine Ausbildung im IT-Bereich an.

Das Niedersachsen Technikum wird mittlerweile seit acht Jahren angeboten. Koordinatorin Christel Boven-Stroman freut sich in jedem Jahr aufs Neue über die positiven Rückmeldungen seitens der Teilnehmerinnen – und der Unternehmen: „Mit vielen Unternehmen der Region besteht eine langjährige Kooperation für das Niedersachsen-Technikum. Die Technologieunternehmen erkennen ihre Chance in diesem Programm: dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und gleichzeitig zu einem ausgewogeneren Verhältnis von Männern und Frauen im MINT-Bereich beizutragen“.

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Trotz Corona: Neuer Durchlauf des Niedersachsen-Technikums in Emden gestartet

Anfang September ist bereits zum neunten Mal das Niedersachsen-Technikum in Emden gestartet – trotz der Corona-Pandemie und des fehlenden Abiturjahrgangs 2020. Bis Februar kommenden Jahres können drei Abiturientinnen testen, ob ein MINT-Studium und Beruf der richtige Weg in ihr Berufsleben sind.

Kari, Tomke und Thora absolvieren ihr Praktikum in zwei Unternehmen, die sich auch in dieser Zeit besonders für den weiblichen MINT-Nachwuchs engagieren. Es sind die Firmen Elektric Schaltanlagenfertigung in Aurich und Orgadata in Leer.

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"Wenn man es nicht ausprobiert, kann man es nicht wissen!"

Rieka Janßen hat durch das Niedersachsen-Technikum zum Traumjob gefunden

Rieka Janßen kennt das Problem, das viele Schülerinnen und Schüler umtreibt, nur zu gut: Was will ich beruflich machen? Soll ich lieber eine Ausbildung beginnen oder studieren? Das Niedersachsen-Technikum hat der angehenden Elektrotechnikerin bei der Entscheidungsfindung geholfen. Über ihre Erfahrungen im Niedersachsen-Technikum hat Rieka der Redaktion von Think ING berichtet. Den vollständigen Artikel lesen Sie bitte hier:

https://www.think-ing.de/schueler-studierende/netzwerk-nutzen/highlights-aus-dem-netzwerk/ing-des-monats/August-2020

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Erfahrungen

Ehemalige Technikantinnen berichten über ihr Technikum

Sonka und Britta haben am letzten Durchlauf des Niedersachsen-Technikums teilgenommen. Sonka hat im Sommer 2019 ihr Abitur am Taletta-Groß-Gymnasium in Leer gemacht und im Anschluss das Niedersachsen-Technikum mit dem Praxisanteil im Labor des Unternehmens sodasan Wasch- und Reinigungsmittel in Uplengen absolviert. Britta hat ihr Abi 2019 in Hildesheim absolviert und ist dann von Burgdorf nach Papenburg gezogen, weil sie das Arbeitsleben bei der Meyer Werft kennenlernen wollte. Von ihren Erfahrungen und Zukunftsplänen berichten sie hier:

Erfahrungsbericht Sonka

Erfahrungsbericht Britta

 

 

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