DE | EN

Meldung

Gruppendynamisches Training stärkt wirksame Zusammenarbeit

Studierende setzen sich mit Eigen- und Fremdeinfluss auf Kommunikation auseinander

Wie entstehen Vertrauen und Zugehörigkeit in Gruppen? Warum geraten Menschen in Konflikten immer wieder in ähnliche Rollen? Und welchen Einfluss hat das eigene Verhalten darauf, was in einem Team möglich wird? Mit diesen und weiteren Fragen haben sich die 19 Teilnehmenden des fünftägigen Trainings „Konflikt. Kompetenz. Klarheit. Miteinander wirksam!“ beschäftigt, das zum Ende des Sommersemesters an der Hochschule Emden/Leer stattfand.

Im Mittelpunkt des Trainings stand nicht die Vermittlung von Kommunikationstechniken von außen: Die Teilnehmenden wurden selbst Teil zweier Trainingsgruppen und konnten so unmittelbar erleben, beobachten und reflektieren, wie Gruppen funktionieren. Beispiele dafür war etwa, wie Beziehungen entstehen, Vertrauen gewonnen oder verloren wird, welche Rollen sich entwickeln und wie Konflikte entstehen und bearbeitet werden können. Veranstaltet wurde das Training unter der Leitung von Prof. Dr. Annika Wolf vom Fachbereich Wirtschaft der Hochschule. Kooperationspartner war die Deutsche Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsdynamik (DGGO) mit der Förderung durch die Emder Partnerschaft für Demokratie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.

„Eine zentrale Besonderheit des Trainings liegt im unmittelbaren Lernen aus der eigenen Erfahrung in partizipativen Prozessen“, so Wolf, die an der Hochschule mit den Schwerpunkten Unternehmens- und Projektfinanzierung sowie Start-ups lehrt und forscht. Die Trainingsgruppe werde dabei selbst zum Lernfeld. Die Teilnehmenden konnten ihr Selbstbild überprüfen und Klarheit darüber gewinnen, wie ihr Verhalten auf andere Menschen und in Gruppen wirkt. Gleichzeitig wurde der Blick für die häufig unsichtbaren Strukturen und Mechanismen geschärft, die Zusammenarbeit beeinflussen. 

„Gruppendynamisches Lernen bedeutet, nicht nur über Zusammenarbeit zu sprechen, sondern Zusammenarbeit unmittelbar zu erleben und gemeinsam zu untersuchen. Dabei wird auch die unterschiedliche Wahrnehmung der Teilnehmenden sichtbar“, beschreibt die Professorin den Ansatz des Trainings. Es gehe darum, unterschiedliche Wahrnehmungen und Interessen wahrzunehmen, Spannungen auszuhalten und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die Teilnehmenden beschäftigten sich damit, wie sie auch in kritischen Situationen handlungsfähig bleiben und schwierige zwischenmenschliche Themen ansprechen können. Das Training stärkte damit die Fähigkeit, Konflikte nicht zu vermeiden, sondern konstruktiv mit ihnen zu arbeiten.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Vertrauen und Zugehörigkeit in Gruppen entstehen. Persönliches Auftreten und Verhalten spielen dabei laut Wolf ebenso eine Rolle wie Sympathie und Gemeinschaftsgefühl. Auch der Kontext wurde in den Blick genommen: Das Umfeld, die Organisation und die jeweiligen Rahmenbedingungen beeinflussen, wie Beziehungen entstehen und erhalten werden können. Damit wird der Mensch immer auch als Teil eines sozialen Systems in den Blick genommen. Die Förderung durch die Emder Partnerschaft für Demokratie und das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ unterstreiche zugleich die gesellschaftliche Bedeutung des Ansatzes. „Demokratie braucht keinen ständigen Konsens. Sie braucht Menschen, die Unterschiedlichkeit aushalten, Widerspruch zulassen und trotzdem gemeinsam handlungsfähig bleiben“, so Prof. Dr. Annika Wolf.