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Meldung

Behinderung neu denken

Forschungsteam der Hochschule sucht Interviewpartner

Wie wurde und wird in Familien über die Lebensspanne von 40 Jahren und mehr mit Behinderung umgegangen? Dieser Frage geht seit einiger Zeit ein Projektteam an der Hochschule Emden/Leer unter der Leitung von Prof. Dr. Carla Wesselmann nach. Für die zweite Umfragephase der Studie „WINDIS“ (What is normal_disabled?) werden jetzt weitere Interviewpartner gesucht – pünktlich zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember.

Dafür werden Beziehungen von Geschwistern, von denen ein Geschwister von Anfang an oder seit früher Kindheit beeinträchtigt ist, in den Blick genommen. Wie haben Geschwister ihre Behinderung oder die ihrer Schwester und Bruder in der Familie und später im schulischen und beruflichen Kontext erlebt? Mögliche Interviewpartner, also Geschwister, aus Emden und der Region können, müssen aber nicht aus derselben Familie kommen, betont Wesselmann.

Generell habe sich die Situation für behinderte Menschen in den letzten 40 Jahren schon verbessert, wie die Professorin vom Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit sagt. „Aber eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stellt nach wie vor nicht den Normalfall dar – wobei gerade der Wunsch nach Normalität und Dazugehörigkeit bei den Betroffenen sehr ausgeprägt ist.“ Ziel des Projekts sei es, durch die Grundlagenforschung den Umgang mit behinderten Menschen zu erfassen, aber auch neue Sichtweisen auf Behinderung zu gewinnen wie Clarissa Schallenberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt, erklärt.

So entwickle jede Familie mit der Zeit ihre eigene „Normalität“, dennoch fehle oft der Austausch mit anderen Betroffenen. Geschwister von behinderten Kindern hätten sich und ihre Bedürfnisse oft stark zurückgestellt und würden sich in vielen Fällen ein Leben lang verantwortlich fühlen. Begründet sei dies damit, dass diese Kinder oft schon früh mit in die Pflicht genommen wurden – und mit zunehmendem Alter der Eltern oft immer mehr. „Hier entstehen natürlich Loyalitätskonflikte. In den Ballungszentren gibt es dafür bereits verschiedene Möglichkeiten, sich Hilfe oder Austausch zu holen, aber in Ostfriesland ist das eher noch die Ausnahme“, gibt Wesselmann zu bedenken.

Während das Team sich bisher für die Erstellung der Studie auf den familiären Kontext beschränkt hat, soll der Rahmen nun erweitert werden. So wird Clarissa Schallenberger im Rahmen ihrer Doktorarbeit auch das berufliche Umfeld mit Blick auf mögliche oder nicht mögliche berufliche Aufstiegsprozesse erforschen. „Dabei kann ich natürlich sehr gut unsere bereits vorhandenen Kontakte und Netzwerke nutzen“, so die Doktorandin.

Gesucht werden für den zweiten Durchgang der Umfrage Menschen im Alter ab 40 Jahren aus der Region. Interessierte, die an der Studie teilnehmen möchten, müssen jedoch nicht aus derselben Familie kommen. Alle Berichte werden anonymisiert und nur für wissenschaftliche Zwecke genutzt. Wer Interesse hat, sich zu beteiligen, kann sich telefonisch (0151/618 621 84) oder per E-Mail (carla.wesselmann|at|hs-emden-leer.de) an das Projektteam wenden.

 

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