Hochschul-ABC

Seit der Bildungskonferenz in Bologna 1999 beteiligen sich inzwischen mehr als 40 Länder an der Schaffung eines europäischen Hochschulraumes. Auch Deutschland gehört dazu. Bis spätestens 2010 sollen alle Länder, die an dem sogenannten „Bologna - Prozess“ mitwirken, über ein System vergleichbarer Hochschulabschlüsse verfügen. Dies wird derzeit durch die Einführung eines gestuften Studiensystems angestrebt, das sich in Module (Bausteine) gliedert und mit dem Bachelor oder Master abschließt. Die Module werden mit einem Leistungspunktesystem verknüpft. Das fördert die nationale und internationale Mobilität Studierender, weil ihre Leistungen dadurch europaweit vergleichbar sind. Das Stufensystem stammt aus dem angelsächsischen Hochschulsystem und ist heute schon weltweit in über 80 Ländern vertreten.

In der Bologna-Erklärung der europäischen Bildungsminister vom 19. Juni 1999 wurden als wesentliche Ziele vereinbart:

  • Einführung zweistufiger Studienabschlüsse (Bachelor/Master), wobei beide Abschlüsse berufsqualifizierend sein sollen,
  • größere Kompatibilität und Vergleichbarkeit der Hochschulsysteme und Studiengänge,
  • Implementierung von Modulen mit ECTS-kompatiblen Leistungspunktesystemen,
  • Förderung der Mobilität und arbeitsmarktbezogenen Qualifizierung.


Ländergemeinsame Strukturvorgaben für die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen (Beschluss der Kultusministerkonferenz).

Abschlussbezeichnungen

Die Bezeichnungen für einen Bachelor- oder Master-Abschluss unterscheiden sich je nach Fachrichtung. Der „Bachelor/Master of Arts“ wird z. B. in der Regel den Sprach - und Kulturwissenschaften, Sport- und Sportwissenschaften, Sozialwissenschaften sowie den Kunstwissenschaften zugeordnet. Der „Bachelor/Master of Science“ wird in der Regel in den Naturwissenschaften, in Mathematik, Medizin, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften vergeben. Entsprechend der Vielfalt der Disziplinen gibt es viele weitere Bezeichnungen. Zu den Abschlüssen, die an der HS Emden/Leer vertreten sind, gehören zum Beispiel: „Bachelor of Engineering“, „Bachelor of Business Administration and Engineering”, „Master of Business Management”, „Master of Technical Management“.

Akkreditierung

Unabhängige Akkreditierungsagenturen überprüfen die Studiengänge in regelmäßigen Abständen. Die Akkreditierung soll die Einhaltung fachlich-inhaltlicher Qualitätsstandards sichern. Außerdem soll durch die Akkreditierung die Vergleichbarkeit mit anderen Studiengängen gewährleistet werden.

Bachelor

Die unterste Stufe in dem dreigliedrigen Stufensystem „Bachelor - Master - Promotion“ ist der Bachelor. Dieser akademische Titel wird meist nach Abschluss eines sechs- bis achtsemestrigen Studiums vergeben, qualifiziert also bereits nach relativ kurzer Studiendauer zur Aufnahme einer Berufstätigkeit.

Anlass für die Einführung: Der Bedarf an akademisch ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Unternehmen wächst, aber nicht alle qualifizierten Tätigkeiten setzen wissenschaftliche Kompetenzen voraus. Viele Berufsfelder erfordern eher anwendungsorientierte, berufspraktische Kompetenzen. Diese Kenntnisse und Fähigkeiten werden in einem Bachelor-Studiengang vermittelt.

BaföG

Steht für „Berufsausbildungsförderungsgesetz". Damit wird die finanzielle Förderung durch den Bund bezeichnet, die Studierende erhalten und die in der Regel an das Einkommen der Eltern gekoppelt ist. Beantragen kann man es bei den örtlichen Studentenwerken.

Diploma Supplement

Das Diploma Supplement ist ein Anhang zum Abschlusszeugnis. Darin sind nähere Informationen über die Art, den Inhalt und die Form des erfolgreich abgeschlossenen Studiums enthalten. Außerdem wird beschrieben, in welchem Kontext das Studium stattgefunden hat: Diese Darstellung gibt Informationen über das nationale Hochschulsystem und über die verleihende Hochschule. Das Diploma Supplement wird in der Regel in englischer Sprache erstellt.

Exmatrikulation

Das Gegenteil von Immatrikulation (Einschreibung). Die Exmatrikulation erfolgt am Ende des Studiums oder zwangsweise, z. B. weil Prüfungen mehrmals nicht bestanden wurden.

Immatrikulation

Einschreibung an der Hochschule, damit erhält man den Studierendenstatus.

Konsekutive, nicht-konsekutive und weiterbildende Masterstudiengänge

Wenn ein Masterstudium inhaltlich und fachlich auf einen Bachelorstudiengang aufbaut wird, spricht man von einem konsekutiven Masterstudiengang. Die Hochschule Emden/Leer bietet verschiedene konsekutive Studiengänge an, in denen die Abschnitte „Bachelor“ und „Master“ speziell aufeinander abgestimmt sind.

In dem gestuften System gibt es aber auch die Möglichkeit, den Master in einem anderen Fach - also nicht konsekutiv - zu erwerben. Diese Studiengänge bauen inhaltlich somit nicht auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang auf.

So genannte weiterbildende Masterstudiengänge setzen nach einem qualifizierten Hochschulabschluss qualifizierte berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr voraus. Die Inhalte des weiterbildenden Masterstudiengangs sollen die beruflichen Erfahrungen berücksichtigen und an diese anknüpfen.

Ein Masterstudium kann auch noch nach längerer Berufstätigkeit aufgenommen werden. Daraus ergeben sich vielfältige Aufstiegs- und Berufschancen. Das Stufensystem passt sich so flexibel dem individuellen Bildungsbedarf an.

In der Regel eröffnet ein Bachelor-Abschluss den Zugang zu mehreren Masterstudiengängen; Absolventinnen und Absolventen von Bachelorstudiengängen haben allerdings keinen Rechtsanspruch auf einen Platz in einem Masterstudiengang. Die Hochschulen können selbst festlegen, welche Zugangsvoraussetzungen sie von den Bewerberinnen und Bewerbern für die Aufnahme verlangen.

Leistungspunkte/ECTS/Credit-Points

Im Bachelorstudium gibt es zusätzlich zu den einzelnen Noten in einem Fach auch sogenannte Leistungspunkte. Diese Leistungspunkte (auch Credit-Points oder ECTS-Punkte (ECTS = European Credit Transfer System) genannt) legen den angenommenen Arbeitsaufwand von Studierenden fest. In die Berechnung fließt nicht nur der Besuch von Lehrveranstaltungen ein, sondern auch der Zeitaufwand für die notwendige Vor- und Nachbereitung. Ein Leistungspunkt entspricht 30 Arbeitsstunden. Pro Semester sind insgesamt 30 ECTS-Punkte zu erwerben. Um diese für ein Semester vorgesehene Anzahl von Punkten zu erreichen, ist ein Arbeitsaufwand von ca. 900 Stunden einzukalkulieren.

Leistungsüberprüfungen

In dem gestuften Studienmodell finden Leistungsüberprüfungen studienbegleitend in den Modulen statt. Die Tests beziehen sich unmittelbar auf den Stoff, der in den Modulen gelehrt wurde. Studierende erhalten so kontinuierlich ein Feedback über ihren Leistungsstand. Sie erfahren bereits während - und nicht erst am Ende - ihres Studiums, ob sie den Leistungsanforderungen in ihrem Studienfach gerecht werden.

Master

Wer sich nach dem Erwerb des Bachelors wissenschaftlich weiterqualifizieren möchte, kann seine Kenntnisse in einem Master-Studiengang vertiefen. Dazu ist in der Regel ein Studium von zwei bis vier Semestern erforderlich. Der Erwerb dieses Abschlusses eröffnet Tätigkeitsfelder, die eine wissenschaftliche Ausbildung voraussetzen. Außerdem sind mit dem Master die Bedingungen erfüllt, um eine wissenschaftliche Laufbahn an Hochschulen oder in Forschungseinrichtungen einzuschlagen oder eine Promotion aufzunehmen. Masterabsolventinnen und -absolventen verfügen über die fachlichen Kompetenzen, die in Positionen mit Leitungs- und Personalverantwortung verlangt werden. Wer sich in der Praxis eines Wirtschafts- oder Dienstleistungsunternehmens bewährt, hat längerfristig aber auch mit dem Bachelor Chancen, Führungsaufgaben auf der mittleren Ebene zu übernehmen.

Modularisierung/Module

Die Lehrinhalte der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge gliedern sich in Module, also inhaltlich zusammengehörige Lehreinheiten. Der ein Themenfeld umfassende Lehrstoff wird jeweils in einem Modul gebündelt. Module können sich aus verschiedenen Lehrveranstaltungen zusammensetzen. Dazu gehören zum Beispiel Vorlesungen, Übungen, Seminare.

Numerus clausus (NC)

Der NC drückt aus, bis zu welcher Durchschnittsnote Studienanfänger bei der letzten Zulassung einen Studienplatz bekommen haben. Der NC ist also die Schulabschluss-Note desjenigen, der im aktuellen Bewerbungsverfahren den „letzten Studienplatz" bekommen hat. Deswegen verändern sich die Werte von Semester zu Semester.

Praxissemester/Praxisphase

Der Bezug zur Berufspraxis ist ein besonderes Merkmal der Bachelorstudiengänge: In den siebensemestrigen Angeboten ist ein Praxissemester enthalten, in den sechssemesterigen eine Praxisphase. In dieser Zeit haben Studierende Gelegenheit, bereits im Studium ihre theoretisch erworbenen Kenntnisse praktisch umzusetzen.

Verdienstmöglichkeiten

Beim Start in den Beruf können Bachelorabsolventinnen und -absolventen nach Auskunft des VDI (Verband Deutscher Ingenieure) mit einem Gehalt von durchschnittlich ca. 40.000 € brutto pro Jahr rechnen (Stand September 2010). Masterabsolventinnen und -absolventen erhalten laut VDI ca. 3.000 bis 4.000 € mehr. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Bachelor bzw. Master an einer FH oder an einer Uni erworben wurde.

Was die Einstufung im öffentlichen Dienst angeht, gelten ähnliche Bedingungen: Bachelorabsolventinnen und -absolventen werden in den gehobenen Dienst eingruppiert, wer einen Master-Abschluss vorweisen kann, erhält in der Regel eine Eingruppierung in den höheren Dienst und kommt somit in eine höhere Vergütungsgruppe.

Die unterschiedliche Bezahlung beim Berufsstart sagt allerdings nichts über die längerfristigen Einkommensperspektiven der Bachelor- und Masterabsolventen aus. Wer im Beruf erfolgreich ist, kann - unabhängig von seinem Abschluss - finanziell aufsteigen. Im Laufe des Berufslebens hat der Grad des Abschlusses bei der Gehaltsverhandlung keine ausschlaggebende Bedeutung mehr.

Vorteile der Studienreform

Die Studienreform ist ein Ergebnis der sich wandelnden Lebens- und Arbeitsbedingungen im 21. Jahrhundert, gefordert ist die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. Darüber hinaus werden von Studierenden und Berufstätigen angesichts zunehmender Internationalisierung Mobilität und Flexibilität erwartet. Als Voraussetzung dafür müssen Studienleistungen und -abschlüsse in Struktur und Qualität international vergleichbar sein. Das neue System erfüllt diese Voraussetzung. Studierende, die eine Zeitlang im Ausland studieren möchten, haben nun zum Beispiel optimale Bedingungen für einen nahtlosen Hochschulwechsel.

Studienreform im Überblick:

  • Verkürzung der Studiendauer und früher Eintritt ins Berufsleben
  • Fundament für lebenslanges Lernen durch gestufte Studienstruktur
  • Flexibilisierung der Studien- und Karriereplanung
  • Internationale Vergleichbarkeit von Studienleistungen
  • Internationalisierung der Studiengänge in Deutschland
  • Förderung der Mobilität Studierender und Beseitigung von Mobilitätshemmnissen
  • Qualitätssicherung der Hochschulausbildung durch Akkreditierung.

Zulassungsbeschränkter Studiengang

Die Anzahl der vergebenen Studienplätze ist begrenzt und es werden mehr Bewerber erwartet, als Plätze vorhanden sind. Die Vergabe der Studienplätze erfolgt in diesem Fall aufgrund verschiedener Auswahlkriterien. In der Regel ist die Note der Hochschulzugangsberechtigung der wichtigste Faktor, aber auch Wartesemester, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Auswahlgespräche können eine Rolle spielen.