Lernen statt Zuhören

Projektorganisiertes und problembasiertes Lernen/Lehren (POPBL) ist eine „Lehr“-Methode, die Schüler dazu bewegt zu lernen anstatt nur zuzuhören. Die Komponente des Problembasierten Lernens (PBL) ist es, die den „lebensnahen“ Lernprozess in den Lehrprozess integriert. Die Komponente projektorganisiert (PO) fügt Elemente der systematischen Arbeitsweise in Projekten und in Gruppen hinzu, die insbesondere in den technisch-naturwissenschaftlichen Berufen genutzt werden. Damit verstärkt es die lebensnahe Komponente von PBL.

Die Welt beobachtet und erlebt von Schülern

Die wesentlich Ideen von POPBL können auf eine phänomenologische Herangehensweise in der Naturwissenschaftslehre zurückgeführt werden, bei der die Schüler die Welt beobachten und erleben. Gestartet von Fechner und Mach („Psychophysik”, sensationalism) und ihren wissenschaftlichen Nachfolgern, integriert eine projektorientierte Lehre den Blick auf die umgebene Welt - wie es bei Schülern in ihren vorwissenschaftlichen Erlebnissen der Fall ist - mit neuen wissenschaftlichen Erfahrungen, die durch das Problembasierte Lernen in der Schule erworben werden.

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schaffen

Oft hindern Probleme mit der naturwissenschaftlichen Sprache und andere wissenschaftliche Hürden Kinder und Studierende daran, sich überhaupt zu bemühen, solches Wissen zu erlangen. „Scientific culture“ ist nicht reizvoll, da es so fremd wirkt zu dem, was ein Kind denkt, beobachtet zu haben und zu wissen.

Eine erfolgreiche schulische Naturwissenschaftslehre schafft jedoch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und führt zu einer (Re-) Konstruktion von vorwissenschaftlichen Kenntnissen als Schüssel-Element der wissenschaftlichen Enkulturation. Dadurch werden Schüler (und Studierende) befähigt, Wissenschaften zu verstehen und sie werden daran Interesse finden.

POPBL wurde als Methode gewählt, um ein individuelles und an den Fähigkeiten des Lernenden orientiertes Lernen zu ermöglichen, da diese Lehrform Lehrern und Schülern einen individuellen Zutritt zum Lehr- und Lernprozess erlaubt, wobei beachtet wird, dass die Anforderungen an die Schüler/innen - mit ihren unterschiedlichen Leistungsstufen und unterschiedlichen Interessen an den Naturwissenschaften - passend abgestimmt werden. Dies erleichtert den Schülern den Zugang zu naturwissenschaftlichen Themen und berücksichtigt potentielle Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Lernen anhand eines realen Problems

Ein konstituierendes Element des POPBL-Unterrichts (Ablauf siehe Grafik) ist das Einstiegsproblem, das das Interesse der Schüler/innen weckt und offensichtlich vom Land, der Altersgruppe und der Schulform abhängig ist. Dieses Problem führt dazu, dass Schüler/innen das entsprechenden Fachwissen nachfragen und ihre alltäglichen Erfahrungen in den naturwissenschaftlichen Unterricht mit einbringen.

Nachdem sich die Schüler/innen mit dem Einstiegsproblem vertraut gemacht haben (für alle Schritte siehe Tabelle unten), wird die Klasse in kleinere Gruppen aufgeteilt, die bestimmte Aspekte des Problems untersuchen, die von den einzelnen Schülern innerhalb der Gruppe gelöst werden sollen.

Im nächsten Schritt arbeiten die Schüler an ihrem Problem, indem sie fragen und sich bei den Lehrenden, im Internet, in Büchern, bei den Eltern, Experten und anderen Informationsquellen erkundigen, um eine Lösung zu finden.

 

Tabelle: Ablauf eines POPBL-Lernprozesses