Ergebnisse

Ziel des M4S-Projektes war es, Schülerinnen und Schüler an ein Studium heranzuführen, deren Eltern selbst nicht studiert hatten. Dies sollte dadurch geschehen, dass die Hemmschwelle zur unbekannten Welt der Hochschule verringert und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, ein Studium zu bewältigen, gestärkt wurde. Inwieweit dies gelingen kann, wurde sowohl anhand von Rückmeldungen der Lehrer/innen und indirekt der Schüler/innen als auch mit Hilfe einer Befragung der Teilnehmer zu Beginn des Praktikumstages und am Ende des Praktikumstages (Prä-Post) zu ermitteln gesucht.

Maßnahmen, die sich aus den Befragungen ergeben haben

Mit Hilfe der Maßnahmen sollten bei der Zielgruppe Hemmschwellen abgebaut und die Motivation für die Aufnahme eines Studiums erhöht werden. Dazu sollten studentische Tutorinnen und Tutoren (Peers) und Studierende als sogenannte Studienbotschafter fehlende Rollenvorbilder ersetzen. Erfolgserlebnisse bei der Bewältigung praxisnaher und studienrelevanter Aufgaben sollten das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten (Self Efficacy) stärken; das Kennenlernen von Räumlichkeiten, Lehrenden und Studieninhalten sollte Vertrauen schaffen und Berührungsängste nehmen.

Fachbereich Technik

  • eintägige Probepraktika („Schnupperpraktikum“) für Schüler/innen an berufsbildenden Schulen der Fachrichtung Technik in verschiedenen Hochschullabors
  • Probepraktikum für Schüler/innen der Fachrichtung Sozialpädagogik zur Vermittlung elektrotechnischen Inhalte für Vorschul- und Grundschulkinder (Studierende der Elektrotechnik zusammen mit Studierenden der Frühpädagogik
  • viertägige Schnupperpraktika Mathematik für Schüler/innen eines örtlichen allgemeinbildenden Gymnasiums im Hochschullabor für Automatisierungstechnik

Fachbereich Wirtschaft

  • „Tag der Mathematik“ für Schüler/innen vorrangig aus Fachoberschulklassen, die durch die Behandlung zahlreicher betriebswirtschaftlicher Fragestellungen in Hochschulräumen die Mathematik als eine wesentliche, aber bewältigbare Herausforderung des BWL-Studiums kennenlernten.

Studienberatung

  • Workshops zur Studienorientierung vor Ort
  • Einzelberatungen parallel zu Unterrichtseinheiten in den Schulen
  • Einzelgesprächsangebote in Pausen bzw. nach den og. Fachbereichsveranstaltungen
  • Rekrutierung und Schulung von Studienbotschaftern
  • Unterstützung der Schnupperpraktika und des „Tag der Mathematik“

Zielgruppenerreichung

Die Zielgruppe wurde gut bis sehr gut erreicht: 91% der Teilnehmer/innen an den Schnupperpraktika des Fachbereichs Technik, die dazu Angaben machten, stammen aus einem nicht-akademischen Elternhaus; bei den Veranstaltungen des Fachbereichs Wirtschaft („Tag der Mathematik“) waren es 70%. Dabei ist die Zielgruppe – nicht unerwartet – an den teilnehmenden Fachoberschulen stärker vertreten als an den Gymnasien.

Zufriedenheit mit der Maßnahme

Die Maßnahmen des Fachbereichs Technik als auch die des Fachbereichs Wirtschaft trafen auf eine hohe Zufriedenheit, sowohl bei Lehrer/innen als auch Schüler/innen. Den Schülerinnen und Schülern gefiel es, die Hochschulluft zu „schnuppern“. Die Lehrerinnen und Lehrer schätzten diese Art der Zusammenarbeit von Schule und Hochschule, auch um voneinander zu lernen. Für die beteiligten Studierenden war der Perspektivwechsel vom Studenten zum Betreuer eine neue und lehrreiche Erfahrung. Die beteiligten Professorinnen, Professoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahmen gerne die didaktische Herausforderung an, mit potentiellen Studierenden fachtypische kleinere (Erstsemester)Aufgaben zu lösen.

Änderung der Studierneigung

Die Maßnahmen haben insgesamt für mehr Klarheit gesorgt, was daran erkennbar ist, dass sich die Schüler/innnen nach den Maßnahmen eindeutiger für oder gegen ein Studium positionieren konnten.
Dabei führte eine positive Beeinflussung der Self Efficacy zu einer Erhöhung der Studierneigung. Und es zeigte sich, dass stark anwendungsbezogene, greifbare Probe-/Schnupperpraktika den gemessenen Wert der Self Efficacy positiv zu beeinflussen vermögen, was es den technischen Fachbereichen – bei geeigneter Auswahl von Praktikumsversuchen – leichter macht, die Schüler/innen für ein Studium zu gewinnen.

Ermittelte Gründe, die aus Sicht der Schüler/innen gegen ein Studium sprechen

Während die finanzielle Belastung durch ein Studium aus Sicht der befragten Schüler/innen eine geringere Rolle spielte, war neben dem Wunsch nach frühem Geldverdienen insbesondere die Bevorzugung einer praktischen Arbeit statt eines theoretischen Studiums ein beinahe durchgängig bejahter Grund, sich gegen ein Studium zu entscheiden.
Übrigens: Die meisten der Schüler/innen, die einem Studium positiv gegenüber stehen, haben im Fachbereich Wirtschaft die Frage danach, ob sie Mathematik als ein Hinderungsgrund für eine Studienaufnahme sehen, in 40-50% der Fälle bejaht. Das deckt sich mit der Beobachtung, dass bei Kontaktveranstaltungen zwischen Schüler/innen und Hochschulvertreter/innen Angst vor dem Fach Mathematik zum Ausdruck gebracht wird. Hier legen die Projektergebnisse nahe, dass die Hochschule potentielle Studierende in ihrer Sorge hinsichtlich der mathematischen Anforderungen mit einer gezielten Erhöhung das Self Efficacy unterstützen könnten.