Wertorientierte Kennzahlen

1.1. Einführung

1.1.        Definitionen

1.2.1. Kennzahlen

1.2.2. Kennzahlensysteme

1.3. Wertorientierte Kennzahlen

1.3.1. Bedeutung

1.3.2. Differenzierung zwischen traditionellen und wertorientierten Kennzahlen

1.3.3. Werttreiberhierarchien

1.3.4. Beispiel: Economic Value Added

 1.4 Quellenverzeichnis

1.5 Literaturverzeichnis

1.1. Einführung

Seit Ende der 80er Jahre hat die wertorientierte Unternehmensführung immer mehr an Bedeutung gewonnen.[1] Während damals die Amerikaner Vorreiter waren, so ist das junge Konzept inzwischen auch in Europa fester Bestandteil im Unternehmenscontrolling geworden. Bereits 30% der DAX-notierten Unternehmen nutzen den wertorientierten Ansatz zulasten der traditionellen Kennzahlen, Tendenz steigend.[2] Gründe dafür, warum die traditionellen Zahlen an Beachtung verloren haben und wieso „Shareholder Value“ so prominent geworden ist, gibt es reichlich. Der ausschlaggebende Punkt ist, dass die Eigenkapitalgeber eine Mindestrendite erwarten, die anhand von traditionellen Kennzahlen jedoch nicht aufgezeigt wird. Da der Cashflow ein bedeutender Wertgenerator ist, bildet  er somit die Basis für wertorientierte Kennzahlen.[3]

1.2.1. Kennzahlen

Kennzahlen sind quantitative Größen, die in komprimierter Form über betriebswirtschaftliche Sachverhalte informieren sollen.[4] Sie basieren auf kaufmännischen Basissystemen, der betriebsinternen Leistungsrechnung, prozessnahen Systemen und aus fallweise erfassten Daten des Unternehmens.[5] Es wird eine bewusste Verdichtung der komplexen Realität vorgenommen, umso die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu messen, Zielvorgaben zu erstellen und anschließend die Zielerreichung zu kontrollieren.[6]

Durch die Auslese überflüssiger Informationen, gewinnt die Darstellung an Übersichtlichkeit und das Augenmerk wird auf die wesentlichen Faktoren gelenkt.[7] So kann die Unternehmensführung kausale Zusammenhänge sowie Ursachen und Wirkungen positiver und negativer Faktoren erkennen. Des Weiteren wird der Entscheidungsfindungsprozess erleichtert, da weniger Zeit investiert werden muss die verschiedenen Daten zu analysieren und zu bewerten.

Es gibt viele Varianten Kennzahlen zu unterscheiden, beispielsweise in relative und absolute Kennzahlen, monetäre und nicht-monetäre oder mit Hilfe einer, bezogen auf den Einfluss auf das Ergebnis, vorlaufende und nachlaufende Differenzierung. Letztlich können Kennzahlen aber auch, wie in Abbildung 1, nach ihrer Funktion gegliedert werden.[8]

1.2.2. Kennzahlensysteme

Abb. 1: Beispiele für Kennzahlen nach Weber und Schäffer

 

Kombiniert man einzelne Kennzahlen miteinander, so erhält man ein Kennzahlensystem. Sinnvolle Zusammenhänge können mathematisch, sachlogisch, empirisch bestätigt oder theoretisch behauptet sein. Wenngleich einige Informationen verloren gehen, wird ein hohes Maß an Transparenz geschaffen. Hierdurch werden Beziehungen und Abhängigkeiten deutlich, die dem Aspekt der Erklärungs- und Analysefunktion eine besondere Bedeutung zukommen lassen.[9]

1.3. Wertorientierte Kennzahlen

1.3.1. Bedeutung

„Die wertorientierte Unternehmenssteuerung ist ein auf die Unternehmenseigner […] ausgerichtetes Unternehmensführungskonzept mit dem vorrangigen Ziel, langfristig den Wert für die Unternehmenseigner […] und damit den Unternehmenswert zu steigern.“[10] Im Rahmen dieses Konzepts benötigt man zum einen Kennzahlen, die den Gesamtwert eines Unternehmens oder des Eigenkapitals messen. Zum anderen benötigt man auch Kennzahlen, die den innerhalb einer Periode zusätzlich geschaffenen Wert messen.[11] Diese Bedürfnisse decken die wertorientierten Kennzahlen.

 

Das Ziel der neuen Steuerungsart ist die langfristige Steigerung des Unternehmenswertes. Es soll eine Zielsymmetrie zwischen Managern und Eigentümer bzw. Kapitalgebern herbeigeführt werden, damit die Ressourcen in die für die Anteilseigner profitablen Aktivitäten, gelenkt werden.

Wertorientiere Kennzahlen finden Anwendung in den Geschäftsfeldern der Entlohnungssysteme, der Performance Messung und bei Mergers und Aquisitions. Sie dienen zur Verbesserung der Entscheidungsqualität und zur Verhaltenssteuerung.

Problematisch ist es jedoch die geeigneten Maßgrößen zu finden, da jedes Unternehmen anders ist (bezogen auf u. a. die Finanzstruktur, Unternehmensziele) und trotzdem das Hauptaugenmerk nicht verloren gehen darf.[12]

Es gibt zwei verschiedene Unterscheidungen der wertorientierten Kennzahlen: Einerseits die Rentabilitätskennzahlen, mit denen die Messung der relativen Perioden-Werterzielung berechnet werden. Andererseits gibt es die Wertbeitragskennzahlen, die in Form von Residualgewinnen zur Messung der absoluten Perioden-Werterzielung dienen. Die Abbildung 2 zeigt die entsprechende Gliederung sowie beispielhafte Kennzahlensysteme.[13]

 

 

Der Informationsgehalt der wertorientierten Kennzahlen ist sehr hoch, ebenso wie ihre Funktion Anreize zu schaffen. Sie sind förderlich um Fehlentscheidungen aufzuzeigen und diese dann entsprechend zu beheben und zu verbessern. Natürlich ist nicht jeder Fehler korrekturfähig, darum können mit Hilfe der Zahlen auch Maßnahmen getroffen werden, damit das Resultat nicht zu schwer zu tragen kommt. Außerdem können mittels der modernen Steuerungsgrößen auch Perspektiven aufgezeigt werden, beispielsweise die Möglichkeit in neue Projekte oder Anlagen zu investieren oder die Aussicht, stille Reserven aufzulösen.

Für Investoren ist jedoch die attraktivste Anreizfunktion, die der Gewinnausschüttung. An diesem Zeitpunkt sehen sie, ob sich ihre Renditeerwartung realisieren lässt oder nicht. Fällt der Profit wie erhofft oder höher aus, sind die Kapitalgeber positiv gestimmt und investieren gegebenenfalls weiter in das Unternehmen. Entspricht die Rendite jedoch nicht den Vorstellungen, können die Anteilseigner ihr Kapital dem Unternehmen wieder entziehen.[14] Damit dieser Prozess nicht eingeleitet wird, nutzen Unternehmen aktiv die wertorientierten Kennzahlen um frühzeitig Signale erkennen und mögliche resultierende Probleme zu verhindern.

1.3.2.Differenzierung zwischen traditionellen und wertorientierten Kennzahlen

 

Wertorientierte Kennzahlen sollen die Schwächen der traditionellen Steuerungsgrößen beheben. Das bedeutet jedoch nicht, dass die traditionellen Kennzahlen weniger relevant sind oder an Bedeutung verlieren. Es ist immer adressatenbedingt, welche Größen verwendet werden.[15]

Die traditionellen Kennzahlen finden ihre Verwendung für unternehmensinterne Prozesse. Sie bauen unmittelbar auf der externen Rechnungslegung auf und verschaffen einen besseren Überblick über die finanzielle Situation eines Unternehmens. Dennoch sind sie kurzfristig, periodenbezogen und berücksichtigen keine Risiken von Geschäften oder dem ganzheitlichen Unternehmen. Des Weiteren bleibt auch ein erhöhter Kapitalbedarf im Falle des Unternehmenswachstum außer Betracht. Das Potential von traditionellen Steuerungsgrößen ist eher mäßig, denn sie werden nur anhand von vergangenheitsbasierten Werten berechnet. Da ein aktueller Zeitwert des Geldes vernachlässigt wird, können außerdem keine Prognosen aus den Kennzahlen abgeleitet werden. Aus diesen Gründen kann die Gefahr einer Fehlentscheidung aus Sicht der Aktionäre entstehen.[16]

Wertorientierte Zahlen kompensieren diese Defizite und schaffen ein hohes Maß an Transparenz. Sie basieren auf dem Cashflow und berücksichtigen Opportunitätskosten des Kapitals.

Aber auch dieses System hat seine Schwächen: Es erfordert neue IT-Systeme und Methoden zur Berechnung und der anschließenden Präsentation. Oft fehlt es den Lesern an entsprechendem Fachwissen und ihre Denkweise muss optimiert werden.[17] Sind diese Hürden jedoch überwunden, so bieten die wertorientierten Steuerungsgrößen einen großen Beitrag zur unternehmensinternen Leistungsbeurteilung und dienen unterstützend beim Entscheidungsprozess des Management und der Kapitalgeber.

 

Differenzierung zwischen Traditionellen und wertorientierten Kennzahlen

Wertorientierte Kennzahlen sollen die Schwächen der traditionellen Steuerungsgrößen beheben. Das bedeutet jedoch nicht, dass die traditionellen Kennzahlen weniger relevant sind oder an Bedeutung verlieren. Es ist immer adressatenbedingt, welche Größen verwendet werden.[18]

Die traditionellen Kennzahlen finden ihre Verwendung für unternehmensinterne Prozesse. Sie bauen unmittelbar auf der externen Rechnungslegung auf und verschaffen einen besseren Überblick über die finanzielle Situation eines Unternehmens. Dennoch sind sie kurzfristig, periodenbezogen und berücksichtigen keine Risiken von Geschäften oder dem ganzheitlichen Unternehmen. Des Weiteren bleibt auch ein erhöhter Kapitalbedarf im Falle des Unternehmenswachstum außer Betracht. Das Potential von traditionellen Steuerungsgrößen ist eher mäßig, denn sie werden nur anhand von vergangenheitsbasierten Werten berechnet. Da ein aktueller Zeitwert des Geldes vernachlässigt wird, können außerdem keine Prognosen aus den Kennzahlen abgeleitet werden. Aus diesen Gründen kann die Gefahr einer Fehlentscheidung aus Sicht der Aktionäre entstehen.[19]

Wertorientierte Zahlen kompensieren diese Defizite und schaffen ein hohes Maß an Transparenz. Sie basieren auf dem Cashflow und berücksichtigen Opportunitätskosten des Kapitals.

Aber auch dieses System hat seine Schwächen: Es erfordert neue IT-Systeme und Methoden zur Berechnung und der anschließenden Präsentation. Oft fehlt es den Lesern an entsprechendem Fachwissen und ihre Denkweise muss optimiert werden.[20] Sind diese Hürden jedoch überwunden, so bieten die wertorientierten Steuerungsgrößen einen großen Beitrag zur unternehmensinternen Leistungsbeurteilung und dienen unterstützend beim Entscheidungsprozess des Management und der Kapitalgeber.

1.3.3. Werttreiberhierarchien

 

Wertbestimmende Faktoren, sind beeinflussende Operatoren mit dem Zweck die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens zu verbessern. Sie werden Werttreiber genannt und können wie in Abbildung 3 in zwei Arten gegliedert werden.

Während finanzielle Werttreiber aus Aktivitäten und Entscheidungen resultieren, sind die operativen Werttreiber den finanziellen vorlagert und auf der Organisationsebene beeinflussbar.[21]

Werden mehrere quantitative Wertetreiber miteinander verknüpft, so bezeichnet man sie als Werttreiberhierarchien. In der ersten Ebene sind sie meistens mathematisch verknüpft, anschließend variiert die Art von Verbindung zwischen sachlogischen, empirisch bestätigten oder theoretisch behaupteten Zusammenhängen.[22]

Ein großer Vorteil der Werttreiberbäume ist es, dass man auf jeder Stufe in die Berechnung einsteigen kann. Weiter liefern sie die Informationsbasis sowie Transparenz für Wertsteigerungsanalysen. Folglich wird nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, sondern auch die der einzelnen Bereiche dargestellt.[23]

1.3.4. Beispiel: Economic Value Added

 

Das in der Praxis wohl am weitesten verbreitete wertorientierte Konzept ist der Economic Value Added (EVA). Dieses Kennzahlensystem gilt als Spitzenkennzahl und wurde von Stern und Stewart in den 90er Jahren entwickelt.[24]

Der EVA setzt sich zusammen aus mehreren Werttreiberhierarchien und zeigt ein auf Jahresbasis ermittelten Residualeinkommen „Übergewinn“ auf, den operativen Gewinn. Er wird auf Grundlagen von jahresabschlussbasierenden Daten aufgestellt und wird wie in Abbildung 4 berechnet.

                        Gesamtkapitalrendite – Gesamtkapitalkostensatz = EVA

Abb. 4: Formel zur Berechnung des EVA

Aus der Formel ergibt sich, dass der Gesamtkapitalkostensatz (WACC) vom Operativen Ergebnis nach Steuern vor Zinsen/Investiertes Kapital (NOPAT/IK) abgezogen wird. Das Ergebnis wird anschließend mit dem investierten Kapital multipliziert und man erhält den EVA.[25]

Das Resultat zeigt an, ob das Unternehmen einen Gewinn erzielte hat, der die Kapitalkosten übersteigt.[26] Ist der Wert 0, so wurden die Erwartungen der Eigen- und Fremdkapitalgeber erfüllt. Ist der Wert hingegen positiv, so ist ein Residualgewinn entstanden und die Renditeerwartungen wurden übererfüllt.[27]

Die Abbildung 5 zeigt abschließend die Berechnung des EVA als Kennzahlenbaum inklusiver Werttreiber.

Abb. 5: Schema des Economic Value Added

1.4 Quellenverzeichnis

[1] wirtschaftslexikon24.com (abgerufen am 14.04.2016)

[2] vgl. Fischer, Thomas M./ Möller, Klaus/ Schultze, Wolfgang, Controlling. S. 344

[3] vgl. Gleich, Ronald/ Horváth, Péter/ Michel, Uwe (Hrsg.), Finanz-Controlling. S.246

[4] vgl. Müller, Armin/ Uecker, Peter/ Zehbold, Cornelia (Hrsg.), Controlling.  S.109

[5] vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S. 173

[6] vgl. Siegwart, Hans, Kennzahlen für die Unternehmensführung. S. 16

[7] vgl. Brühl, Rolf, Controlling. S. 409

[8] vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S. 174

[9] vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S.175

[10] vgl. Müller, Armin/ Uecker, Peter/ Zehbold, Cornelia (Hrsg), Controlling. S. 108

[11] vgl. Gödde, Dominika, Integration von Goodwill-Bilanzierung. S. 1

[12] www.wirtschaftslexikon24.com (abgerufen am 12.04.2016

[13] vgl. Steinhaus, Henrik/ Kraft, Stephan, Mitbestimmungsförderung. S.95

[14] vgl. Velthuis, Louis, Value Based Management S.5

[15] vgl. https://www.erhard-rainer.com (abgerufen am 20.06.2016))

[16] vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S. 180

[17] vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S. 179

[18]vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S. 176

[19] vgl. Gollek, Danuta, Wertorientierte Kennzahlen und Steuerungsinstrumente. S. 3

[20] vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S. 196

[21] vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S. 196

[22] vgl. Gleich, Ronald/ Horváth, Péter/ Michel, Uwe (Hrsg.), Finanz-Controlling. S. 233

[23] vgl. Brühl, Rolf, Controlling. S. 425 f. 

[24] vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S. 185

[25] vgl. www.controllingportal.de (abgerufen am 12.04.2016)

[26] vgl. Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. S. 185

[27] in Anlehnung an: https://managementmania.com (abgerufen am 20.06.2016)

1.5 Literaturverzeichnis

Brühl, Rolf: Controlling. Grundlagen des Erfolgscontrollings, 2. Auflage, Oldenbourg Verlag München, 2008

Fischer, Thomas M./ Möller, Klaus/ Schultze, Wolfgang, Controlling: Grundlagen, Instrumente und Entwicklungsperspektiven. Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, 2012

Mensch, Gerhard: Finanz-Controlling. Finanzplanung und -kontrolle, 2. Auflage, Oldenbourg Verlag München, 2008

Müller, Armin/ Uecker, Peter/ Zehbold, Cornelia (Hrsg.), diverse Autoren, Controlling für Wirtschaftsingenieure, Ingenieure und Betriebswirte. 2. Auflage, Fachbuchverlag Leipzig im Carl Hanser Verlag, 2006

Weber, Jürgen/ Schäffer, Utz, Einführung in das Controlling. 14. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, 2014

Verfasser: Anna Harmening