Energiecontrolling

1. Definition

„Im Sinne eines Regelkreises (Controlling = Regelung) umfasst das Energie-Controlling alle Funktionen von der Datenerfassung, Datenverwaltung und Abweichungsanalysen über die Aufstellung von Ziel- und Sollwert-Größen bis hin zu Konzeption, Planung und Veranlassung von regulierenden Maßnahmen.“Als Steuerungsgrößen dienen regulär der Energieverbrauch und die Energiekosten der Unternehmung. Das Energiecontrolling sollte stetig anhaltenden Verlauf besitzen.2

2. Zielsetzung

Eine neue Zielsetzung in Bezug auf den Energiesektor ist anzustreben. Hierbei müssen Probleme im Energiesektor frühzeitig erkannt und entsprechend integriert betrachtet werden.3 Gleichzeitig sollte die Zielplanung dynamisch und das Planungssystem anpassungsfähig ausgerichtet sein, um den gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnissen gerecht zu werden.  „Das Planungsziel lautet, eine jederzeit ausreichende, kostengünstige, ökologisch verträgliche und krisensichere Versorgung mit Energie zu gewährleisten.“4 Hieraus können Ziele zur Kostenminimierung und Rationalisierung abgeleitet und Energiebedingte Möglichkeiten und Risiken können genutzt werden. Eine unproblematische Zielsetzung besteht, wenn eine Zielharmonie zwischen den ökologischen Zielen der Ressourcenschonung und den ökonomischen Zielen der Kostenminimierung herrscht. Bestehen Zielkonflikte, sollten vorrangig die gesetzlichen Anordnungen befriedigt werden. Weitere Maßnahmen setzen eigenständige Ziele im Energiebereich voraus. Diese können über ABC/XYZ-Analysen berücksichtigt werden.5

Für die Energiestrategie sind die Zielsetzungen des Energiecontrollings mit einzubeziehen. Prognosen in Bezug auf Energie, Verfügbarkeit, Verbrauch und Technologie bieten für die Energiestrategie die Grundlage. Der Anspruch auf integrierter Planung von Versorgungs-strukturen, Verbrauchsstrukturen, optimaler Energieverwendung, Schutzmaßnahmen vor Energieengpässen bildet den Leitfaden der Strategie. Eine Prognose über die zukünftige Energieversorgung und dessen Preise ist heutzutage schwer durchführbar. Eine Energieversorgungsstrategie, die zu einer bestmöglichsten Energieverwendung und Beanspruchung von regenerativen Energien beiträgt, ist eine positive Strategie. Nachfolgende Strategien sind zu entwickeln:

Vermeidungsstrategien

in Bezug auf die Bestimmung der Energieform, den Einbau von steuerungs- und regelungstechnischen Einrichtungen, Anhebung der energetischen Wirkungsgrade von Maschinen und organisatorischen Maßnahmen

Eigenversorgungsstrategien:

in dem alle Möglichkeiten genutzt werden, die eigenen standort-, produkt- und verfahrensspezifischen Energiepotenziale zu verwenden, soweit es den rechtlichen und technischen Rahmen nicht übersteigt

Recyclingstrategien:

durch die alle nicht verwendeten energetischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, beispielsweise Abwärme von Maschinen

Energiekrisenstrategie:

um mögliche Zukunftsszenarien zu zeigen und mögliche Krisensituationen zu bewältigen

Strategischen Planungen in Hinblick auf die Energieträger können mit Hilfe eines Energieportfolios unterstützt werden. Ein Beispiel dafür zeigt die nachfolgende Abbildung.6

Resultat der operativen Planung sollte ein Energiesparplan sein, der die Höhe der Einsparungen, den Zeitpunkt und den Bereich der Einsparungen zeigt. Eventuelle oder teilweise durchgeführte Einsparungen sind nach produktionsbezogenen und  den anliegenden Maßnahmekategorien zu klassifizieren.7

Mögliche produktionsbezogene Anknüpfungspunkte sind:

  • Produktionskonzeption
  • Zusammensetzung des Produktionsprogramms
  • Produktionsfaktoren Energie und Betriebsmittel
  • Prozessgestaltung

Daran anliegende Maßnahmekategorien:

  • Substitution
  • Mengenreduzierung
  • Preisbeeinflussung
  • Kostenausgleich8

3. Aufgaben

Die Aufgabe des Energiecontrollings besteht unter anderem darin, aus den festgelegten Plänen und Konzepten einen verbindlichen Energiebedarfsplan zu erstellen. Dieser Energiebedarfsplan muss mit den Zielen und Grundsätzen der Unternehmensplanung abgestimmt und laufend angepasst werden.9

Des Weiteren hat das Energiecontrolling die Aufgabe, energietechnische Anlagen und Verbräuche zu kontrollieren. Dabei sind die Häufigkeit und die zu überprüfende Merkmale zu wählen. Zur Ist-Wert Ermittlung sind geeignete Messgeräte zu installieren. Zur Abweichungsanalyse sind den Ist-Werten die entsprechenden Soll-Werte gegenüber zu stellen. Für die verwendeten Soll-Werte können die erfassten Zahlen aus der Vergangenheit als Maßstab dienen.10 Die Kontrolle soll regelmäßig feststellen, ob die geplanten Ergebnisse wie z.B. der Verbrauch oder die Wirtschaftlichkeit eingehalten werden. Beispiele für mögliche Kennzahlen sind der Energieverbrauch und die Energiekosten pro Fertigungseinheit.11 Die Abbildung 2 zeigt das Bestreben nach mengen- und wertmäßiger Wirtschaftlichkeit bei der Energieanwendung.

Langfristige Maßnahmen sind etwaige Investitionsplanungen, die das Ziel der Verringerung von Energiekosten fokussieren. Dieses Ziel kann durch Erneuerungen von Anlagen unter energetischen Gesichtspunkten oder durch die Gewinnung von sekundärer Energie durch eigene Anlagen erreicht werden.12

4. Bedeutung

Das Erfordernis eines Energiecontrollings ist generell nicht gegeben. Die herkömmliche Energieplanung durch Verwendung betrieblicher Teilpläne mit der Analyse von einzelnen Abteilungen, kann viele Zusammenhänge nicht aufdecken. Dadurch kann die Variierung von Verfahren und Produkten, in Bezug auf Energiegesichtspunkte nicht berücksichtigt werden. Das Recyceln von Energie kann nicht genutzt werden sowie die Senkung der Energieverbräuche nur durch eine abteilungsübergreifende und zusammenfassende Energieplanung erfolgen kann. Durch Kontroll- und Verbesserungsmechanismen, Abweichungsanalysen der Kosten und Verbräuche und durchdachte Zielsetzung funktioniert das Energiecontrolling.13

Fußnoten

  • [1] Trautmann, Andreas; Meyer, Jörg; Herpertz, Stefan: Rationelle Energienutzung in der Kunststoff verarbeitenden Industrie, Braunschweig/ Wiesbaden, 2002, S. 214
  • [2] Vgl. Trautmann, Andreas; Meyer, Jörg; Herpertz, Stefan: Rationelle Energienutzung in der Kunststoff verarbeitenden Industrie, Braunschweig/ Wiesbaden 2002, S. 214
  • [3] Vgl. Peemöller,Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005, S. 439
  • [4] Peemöller,Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005, S. 439
  • [5] Vgl. Peemöller,Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005, S. 439
  • [6] Vgl. Peemöller,Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005, S. 439-440
  • [7] Vgl. Peemöller, Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005, S. 442
  • [8] Vgl. Peemöller, Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005, S. 442
  • [9] Vgl. Wohinz, Josef W.; Moor, Michael: Betriebliches Energiemanagement - Aktuelle Investition in die Zukunft, Wien, 1989, S. 214
  • [10] Vgl. Wohinz, Josef W.; Moor, Michael: Betriebliches Energiemanagement - Aktuelle Investition in die Zukunft, Wien, 1989, S. 215
  • [11] Vgl. Peemöller, Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005, S. 445
  • [12] Vgl. Peemöller, Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005, S. 446
  • [13] Vgl. Peemöller, Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005, S. 442-444

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1: Energieportfolio
  • Abb. 2: Beurteilung der Wirtschaftlichkeit und Effizienz des Energie-Throuhput

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis:

  • Peemöller, Volker: Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete, 5. Auflage, Berlin, 2005 
  • Trautmann, Andreas; Meyer, Jörg; Herpertz, Stefan: Rationelle Energienutzung in der Kunststoff verarbeitenden Industrie, Braunschweig/ Wiesbaden, 2002
  • Wohinz, Josef W.; Moor, Michael: Betriebliches Energiemanagement - Aktuelle Investition in die Zukunft, Wien, 1989
  • Schieferdecker, Bernd: Energiemanagement-Tools- Anwendung im Industrieunternehmen, Berlin, 2006

Verfasserin: Eugenia Hering