Bestellterminrechnung

1. Bestellterminrechnung

Die Bestellterminrechnung steht im engen Zusammenhang mit der Bestellmengenrechnung. Bei der Bestellmengenrechnung wird die optimale Bestellmenge, bei der die Bestell- und Lagerhaltungskosten am geringsten sind, ermittelt. Im Gegensatz dazu werden bei der Bestellterminrechnung die Termine der einzelnen Bestellungen festgelegt.

Das Ziel der Zeitplanung ist es also, eine rechtzeitige Bereitstellung von Materialien für die Produktion sicherzustellen. Dabei können zwei Verfahren eingesetzt werden, die im Folgenden näher erläutert werden:

  • Bestellpunktverfahren
  • Bestellrhythmusverfahren1

1.1 Bestandsarten

Im Zusammenhang mit den beiden Verfahren werden grundsätzlich folgende Bestandsarten unterschieden.

1.1.1 Höchstbestand

Zeigt den Bestand an, der maximal von einem Artikel im Lager sein sollte. Es soll dadurch verhindert werden, dass zu hohe Vorräte im Lager vorhanden sind und somit eine unnötige Kapitalbindung erfolgt.

Berechnung des Höchstbestandes:

Höchstbestand = Sicherheitsbestand + optimale Bestellmenge

Der Höchstbestand kann entsprechend angepasst werden, wenn z. B. sich die Verkaufsmengen kurzzeitig durch erhöhten Absatz ändern oder dauerhaft weniger oder mehr nachgefragt wird.2

1.1.2 Meldebestand bzw. Bestellpunkt

Sobald die Bestandsgröße erreicht oder unterschritten wird, wird die Bestellung ausgelöst. Es wird dadurch also bewirkt, dass der Sicherheitsbestand nicht angegriffen wird, wenn die Bestellung rechtzeitig erfolgt.

Berechnung des Meldebestandes:

Meldebestand = (Tagesverbrauch * Wiederbeschaffungszeit) + Sicherheitsbestand

Beispiel:

Ein Großhändler verkauft täglich 100 Kisten Wasser. Die Beschaffungsdauer beträgt 2 Tage. Als Sicherheitsbestand hat er 200 Kisten festgelegt. Seine Lagerkapazität beträgt max. 3.000 Kisten.

Meldebestand = (100 * 2) + 200 = 400

Das bedeutet: Sobald im Lager nur noch 400 Kisten Wasser vorhanden sind, muss neue Ware bestellt werden.3

1.1.3 Sicherheitsbestand bzw. eiserner Bestand

Die Vorratsmenge, die ständig auf Lager sein muss, um auch bei unvorhersehbaren Störungen eine reibungslose Abwicklung des Betriebsgeschehens zu ermöglichen, d. h. das Unternehmen sichert sich gegen Bedarfs-, Liefer- und Bestandsunsicherheiten ab.

Berechnung des Sicherheitsbestandes:

Sicherheitsbestand = Tagesverbrauch * Sicherheitszeit

Auf verschiedene Weise kann der Sicherheitsbestand berechnet werden:

  • Generell gilt: 1/3 des Verbrauchs während der normalen Wiederbeschaffungszeit
  • Abdeckung Mehrverbrauch und Lieferverzögerungen

SB = Wiederbeschaffungszeit * Mehrverbrauch + Lieferverzögerung * Tagesverbrauch

  • Deckung des durchschnittlichen Verbrauchs während der Wiederbeschaffungszeit:

Wiederbeschaffungszeit * Tagesverbrauch

Daraus folgt, dass die Bestimmung des Sicherheitsbestandes eng mit der Wiederbeschaffungszeit verbunden ist. Die Wiederbeschaffungszeit ist die Zeit, die ab der Bestellauslösung bis zur Einlagerung im Lager benötigt wird. Es müssen sämtliche Vorgänge berücksichtigt werden:

  • Bestellauslösung
  • Verwaltungsabwicklung im eigenen Haus
  • Auftragsannahme und -bearbeitung beim Lieferanten
  • Transport
  • Wareneingangserfassung
  • Qualitätskontrolle
  • Einlagerung

Berechnung der Wiederbeschaffungszeit:

Wiederbeschaffungszeit = (Meldebestand - Sicherheitsbestand) / Erwarteter Tagesverbrauch

Beispiel:

Der Meldebestand eines Großhändlers liegt bei der Warengruppe Kopierpapier bei 800 Packungen. Als Sicherheitsbestand hat er 400 Pakete festgelegt und verkauft täglich 200 Packungen Kopierpapier.

Wiederbeschaffungszeit: (800 – 400) / 200 = 2                                     

Das bedeutet: Die Wiederbeschaffungszeit beträgt 2 Tage.4

1.1.4 Graphik Bestandsarten

Wenn der Höchstbestand erreicht ist, gibt es keinen Platz für weitere Materialien. Nach und nach werden diese Materialien verbraucht und der Lagerbestand sinkt, bis der Meldebestand erreicht wird. Dann wird automatisch eine Bestellung ausgelöst. Die Materialien werden weiter verbraucht und der Lieferant bearbeitet die Bestellung und bereitet sich darauf vor, die Materialien zu liefern. Beim Sicherheitsbestand treffen die Materialien ein und werden eingelagert. Dann haben wir wieder unseren Höchstbestand erreicht und der komplette Prozess wiederholt sich.

2. Bestellpunktverfahren

Bei einer bestimmten Bestandshöhe z. B. bei Erreichen oder Unterschreiten des Meldebestandes oder des Bestellpunktes, erfolgt die Bestellung der Materialien.

Es wird nach jedem Lagerabgang geprüft, ob der Meldebestand erreicht ist.

Der Meldebestand muss so gewählt werden, dass die vorhandene Menge bis zur Wiederbeschaffung ausreicht. Es wird die Menge bestellt, bei der der Lagerbestand wieder den Höchstbestand erreicht. Die neue Lieferung muss am Lager sein, wenn der Sicherheitsbestand erreicht ist. Bestellmengen und die Bestellzeitpunkte bei diesem Verfahren sind sehr unterschiedlich.5

Das Verfahren ist mit folgenden Vor- und Nachteilen verbunden:

Es werden Bedarfsschwankungen berücksichtigt, d. h. wenn der Bedarf am Absatzmarkt steigt, sind die Bestellintervalle kürzer und sinkt der Bedarf, dann verlängern sich entsprechend den Bestellintervallen. Das Unternehmen hat eine hohe Versorgungssicherheit der Materialien, da immer dann bestellt wird, wenn der Meldebestand erreicht wird.

Durch die unterschiedlichen Bestellintervalle, sind die Bestellkosten höher und es werden Rabatte nicht ausgenutzt. Im Lager ist ein effektives Lagersoftwareprogramm erforderlich, da bei jedem Lagerabgang geprüft wird, ob der Zeitpunkt für die Nachbestellung erreicht ist. Durch den Sicherheitsbestand sind immer Materialien auf Lager und verursachen höhere Lagerkosten.6

2.1 Graphik Bestellpunktverfahren

Die folgende Graphik veranschaulicht das Prinzip des Bestellpunktverfahrens:

3. Bestellrhythmusverfahren

Die Bestellungen erfolgen im festgelegten Bestellrhythmus. Der Bedarf wird meistens aus Vergangenheitswerten abgeleitet. Es ist auch möglich, den Bedarf über eine Stücklistenauflösung aus dem künftigen Produktionsprogramm abzuleiten. Dabei wird die Menge beschafft, die auch in der Periode verbraucht wurde.7

Auch dieses Verfahren ist mit folgenden Vor- und Nachteilen verbunden:

Durch die festen Zeitintervalle hat man eine bessere Koordination der Beschaffung von Gütern. Es können dadurch Mengenrabatte optimiert werden. Es sind weniger Bestandskontrollen notwendig, dadurch werden der Kontrollaufwand und der Verwaltungsaufwand geringer. Durch die regelmäßige Überprüfung der Verbrauchszahlen lassen sich Lagerhüter besser aufdecken.

Das Verfahren ist anfällig bei Bedarfsschwankungen und Schwankungen in der Beschaffungszeit. Hohe Beschaffungszeiten führen zu hohen Bestellmengen und es besteht die Gefahr, dass Fehlmengen auftreten können. Es wird mehr Kapital im Lager gebunden.8

3.1 Graphik Bestellrhythmusverfahren

Die folgende Graphik veranschaulicht das Prinzip des Bestellrhythmusverfahrens:

4. Fazit

Das Unternehmen hat die Wahl, ob das Bestellsystem mengen- oder terminorientiert ausgerichtet wird. Bei dem Bestellpunktverfahren hat man eine optimale Bestellmenge und variable Bestelltermine, wobei man bei dem Bestellrhythmusverfahren variable Bestellmengen und feste Bestellzeitpunkte hat. Möglich ist auch eine Kombination der beiden Methoden. Welches jedoch das optimale Verfahren ist, hängt von den betrieblichen Voraussetzungen und Materialien ab. Das Bestellpunktverfahren eignet sich besonders für A-Güter, die einen hohen Wertanteil, aber einen geringen Mengenanteil an einem Endprodukt haben. Dies sind z. B. hochwertige Monitore, die in Verkaufstischen eingebaut werden. Bei der Beschaffung wird auf günstige Preise geachtet. Durch die variablen Bestelltermine kann das Unternehmen sehr schnell auf Mengenänderung der Nachfrage reagieren. Dagegen eignet sich das Bestellryhythmusverfahren für C-Güter, die einen geringen Wertanteil, jedoch einen hohen Mengenanteil an einem Endprodukt haben. Dies sind z. B. Schrauben der Verkaufstische. Die Beschaffung erfolgt in Massen.

Fußnoten

Abbildungsverzeichnis

  • Abbildung 1: Eigene Darstellung: Bestandsarten
  • Abbildung 2: Eigene Darstellung: Bestellpunktverfahren
  • Abbildung 3: Eigene Darstellung: Bestellrhythmusverfahren

Quellenverzeichnis

Literatur

  • Mathar Hans-Joachim / Scheuring Johannes, Unternehmenslogistik, 2. Auflage, Zürich (CH), compendio Bildungsmedien, 2012
  • Schulte Gerd, Material- und Logistikmanagement, 2. Auflage, München, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2001

Internetquellen

Verfasserin: Jana Joostema