Typische Berufsbilder

Beispiel 1: Controller/in in einem mittelständischen Unternehmen

Aufgaben und Tätigkeiten

Controller in kleinen und mittleren Unternehmen sind - auch als Berufsanfänger - häufig betriebswirtschaftliche Berater der Unternehmensführung für alle wichtigen Entscheidungen. Im Kern geht es darum, die Informationen, die für solche Entscheidungen erforderlich sind, zu sammeln, zu plausibilisieren und für das Management aufzubereiten. Die Prozesse, die dabei durchlaufen werden, sind Planung, Kontrolle, Analyse und Information / Berichtswesen.

Ein typisches Beispiel wäre die geplante Durchführung einer Investition. In der Regel haben leitende Mitarbeiter z.B. aus der Produktion eine Idee für eine Erweiterung von maschinellen Kapazitäten, deren Ersatz oder eine Umstellung in der Fertigung, z.B. um Kostenersparnisse zu generieren. Controller sorgen dafür, dass alle hierfür erforderlichen Informationen strukturiert erhoben werden. Dabei sind die erwarteten künftigen Auswirkungen vollständig zu erfassen (Planung). Häufig kommt es hierbei zu Fehleinschätzungen, Über- oder Untertreibungen. Hier kommt es darauf an, die Annahmen zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen. Liegen verlässliche Informationen vor, sind sie zu analysieren: Ist die Investition wirtschaftlich? Ist sie zu finanzieren? Welche Risiken liegen der Investition zu Grunde? (Analyse) Alle diese Erkenntnisse sind den Entscheidungsträgern nachfolgend in geeigneter Weise aufzubereiten (Information / Berichtswesen). Meist werden die Controller aufgrund ihrer Fachkompetenz, ihrer Neutralität und ihres überblickshaften Wissens in den Entscheidungsprozess beratend einbezogen. Anschließend sind die Einhaltung des genehmigten  Investitionsbudgets zu überprüfen und auch zu ermitteln, ob sich die geplanten Erfolge auch tatsächlich eingestellt haben (Kontrolle).

Weitere typische Controlling-Aufgaben sind

-       Durchführung einer Geschäftsplanung: Im Kern geht es darum, für das kommende Geschäftsjahr (oder für einen anderen Zeitabschnitt) herauszufinden, wie hoch der Erfolg voraussichtlich werden wird, ob sich die Ziele des Unternehmens erreichen lassen und wie sich die finanzielle Situation des Unternehmens darstellen wird. Hierzu werden die verschiedenen Abteilungen des Unternehmens befragt: Was wird sich im kommenden Jahr wie entwickeln? Diese Informationen werden zusammengetragen, um daraus ein Gesamtbild der Unternehmung zu erstellen. Aufkommende Widersprüche und Ungereimtheiten werden erkannt und besprochen; in diesem Sinne  koordiniert das Controlling die Aktivitäten des Unternehmens.  Die Planung wird dem Management präsentiert. Aus der verabschiedeten Planung lassen sich die Unternehmens- und Bereichsziele ableiten.

-       Bereitstellung von Informationen im Rahmen eines systematischen Berichtswesens: Für sämtliche Entscheidungen aber auch für die fortlaufende Steuerung des Unternehmens benötigt das Management zuverlässige und treffsichere Informationen. Diese werden in der Regel vom Controlling erstellt: Das Controlling ist in diesem Sinne eine Art "Schaltzentrale" im Unternehmen: Hier laufen alle Informationen zusammen. Hier werden sie für das Management bewertet und aufbereitet.

-       Rationalitätssicherung: Was etwas abstrakt klingt, bedeutet in der Praxis, dass Controller "das betriebswirtschaftliche Gewissen" des Managements darstellen. Es soll vermieden werden, dass zu viele Entscheidungen "aus dem Bauch heraus" getroffen werden. Im Endeffekt entspricht dies einer Beratungstätigkeit innerhalb des Unternehmens.

Anforderungen und Kompetenzen

Auf Basis der genannten Aufgaben sind die Anforderungen, die an den/die Controller/in gestellt werden, von den Anforderungen des Managements abhängig: Ist der Manager jemand, der sehr "tief" in "seinem" Unternehmen steckt (wie z.B. ein mittelständischer Unternehmer), so werden sich viele dieser Aufgaben mit dem Aufbereiten von Zahlen erledigen lassen.

In aller Regel jedoch lassen sich die Aufgaben am ehesten kommunikativ lösen: Die besten Controller in diesem Sinne sind diejenigen, die nie an ihrem Arbeitsplatz anzutreffen sind, sondern auf der Suche nach Informationen und deren Einschätzung mit den verschiedenen Abteilungen im Unternehmen in Kontakt stehen.

Das Instrumentarium der Planung und Kontrolle (Analyse) ist jedoch Handwerkszeug, ebenso wie das Beherrschen von Excel und Power-Point.

Beschäftigungsbedingungen

Die Beschäftigungslage von Controllern ist gut: Gerade kleinere und mittlere Unternehmen investieren derzeit stark in den Aufbau des Controllings.

Die Arbeitszeiten sind eher unregelmäßig: Wenn Entscheidungen anstehen oder die Planung abzuschließen ist, dann muss auch lange gearbeitet werden. Ansonsten ist die Frage, ob man mit einem 7-8-Stunden-Tag auskommt davon abhängig, wie groß der Bedarf an Controlling-Leistungen auf der einen Seite und die personelle Ausstattung der Controlling-Abteilung auf der anderen Seite ist.

Der Controller-Beruf ist ein typisches Karriere-Sprungbrett: Man arbeitet sehr nah am Management, man erhält Überblickswissen und man muss sich in viele verschiedene Sachverhalte rasch einarbeiten. All das hilft, wenn es um den Aufstieg im eigenen oder einem anderen Unternehmen geht.