Das Forschungsprojekt

Die Region

Der IHK Bezirk Ostfriesland/Papenburg mit den sechs ostfriesischen Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog umfasst 35 Städte und Gemeinden mit einer Gesamtbevölkerung von 500.000 Menschen. Die Region wird durch die Nähe zu Nordsee und Ems u.a. stark durch den Tourismus geprägt. Insgesamt sind in der Region rund 29.000 Unternehmen ansässig. In den gewerblich-industriellen Berufen werden derzeit rund 1.600 Menschen ausgebildet. In den kaufmännischen Berufen gibt es aktuell ca. 3.600 besetzte Ausbildungsstellen.

Ausbildungsabbruch

In der Region Ostfriesland/Papenburg werden jedes Jahr einige hundert Ausbildungsverträge wieder gelöst. In den letzten Jahren betrug die Quote der aufgelösten Verträge jeweils über 25% und lag somit deutlich über dem Bundesdurchschnitt (2009: 22,1%). Von den im Jahr 2009 geschlossenen Verträgen wurden bis Ende Dezember 2011 insgesamt 721 vorzeitig beendet. Die höchsten Abbrecherquoten sind im Bereich des Hotel- und Gastgewerbes zu verzeichnen. Der Anteil der hier gelösten Verträge beläuft sich auf 43% der AbbrecherInnen insgesamt (Koch/Köchin: 16,9%, Hotelfachmann/-frau: 14,7%, Restaurantfachmann/-frau: 8,2%, Fachkraft im Gastgewerbe: 3,2%).

Forschungsinteresse

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der daraus resultierenden rückgängigen BewerberInnenzahl steigt die Zahl der Betriebe, die ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen können. Gleichzeitig gelingt der Übergang von der Schule in die Ausbildung nicht sofort allen Jugendlichen oder Ausbildungen werden aus unterschiedlichen Gründen vorzeitig beendet. Jugendliche, die ihre Ausbildung vorzeitig beenden, erleben einen Bruch in ihrer Berufsbiografie, der oft mit negativen Auswirkungen auf das Erwerbsleben verbunden ist. Gleichzeitig stellt der Ausbildungsabbruch für sie jedoch auch die Möglichkeit und das Recht dar, eine Entscheidung zu revidieren, um z.B. eine Berufswahl zu korrigieren. Für die Betriebe sind die Folgen einer vorzeitigen Vertragslösung jedoch in erster Linie mit zeitlichen und finanziellen Verlusten verbunden. Die Qualität des Passungsverhältnisses zwischen Auszubildenden und Betrieben gewinnt für beide Seiten an Bedeutung, um den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung zu ermöglichen.

Projektverlauf

Das Forschungsprojekt betrachtet die Perspektiven dieser beiden am Ausbildungsprozess beteiligten zentralen Akteure, d.h. die der (jugendlichen) Auszubildenden und die der ausbildenden Betriebe und Unternehmen. Die biografischen Bildungs- und Ausbildungsberufswege von Auszubildenden werden nachvollzogen, um Aussagen über die Gründe für den Ausbildungsabbruch treffen zu können. Diese Erkenntnisse werden durch das Experten- und Erfahrungswissen der AusbilderInnen und Kooperationspartner ergänzt. Die Basis für die Analyse bildet das Datenmaterial, das durch Fragebogenerhebungen und Interviews erarbeitet wird.

Projektziel

Ziel des Forschungsprojektes ist es, zu klären, welche Gründe und welche Prozesse zu den Ausbildungsvertragslösungen geführt haben und wie die Jugendlichen den Ausbildungsabbruch aus ihrer Sicht bewältigt haben. Aus den Ergebnissen wird ein Maßnahmenkatalog zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen für die Region Ostfriesland/Papenburg erstellt. Dieser wird im Laufe des Projektes in Rücksprache mit den Kooperationspartnern kontinuierlich weiterentwickelt, so dass Erkenntnisse aus dem Forschungsprozess und die Erfahrungen der Kooperationspartner in einer Art Feedback-Struktur zusammengeführt werden.

Projektlaufzeit

September 2011 bis Januar 2014