Abschlußtagung

Mehr als 100 Gäste konnten am 23.01.2014 im Coram der Hochschule Emden/Leer am Standort Emden begrüßt werden, als die Studie „Wenn die Berufsfindung und -ausbildung Brüche aufweist. Ausbildungsabbruch Jugendlicher in Ostfriesland und Papenburg. AbJOP“ vorgestellt wurde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Bildungseinrichtungen, der Agentur für Arbeit und der Jobcenter sowie Ausbilderinnen und Ausbilder im Hotel- und Gaststättengewerbe folgten der Einladung der Gastgeberinnen Prof. Dr. Sylke Bartmann, Prof. Dr. Astrid Hübner und Antje Handelmann. Das Forschungsprojekt wurde seit September 2011 am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit unter der Leitung der beiden Professorinnen durchgeführt und endete nun mit einer Abschlusstagung, auf der gerahmt von Vorträgen externer ReferentInnen und einer Podiumsdiskussion zentrale Ergebnisse der Studie präsentiert wurden.

Nach den einleitenden Grußworten des Präsidenten der Hochschule Emden/Leer, Prof. Dr. Gerhard Kreutz, der Dekanin des Fachbereiches Soziale Arbeit und Gesundheit, Frau Prof. Dr. Ruth Haas sowie Timo Weise, Leiter der Abteilung Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg wurde bereits deutlich, dass die Perspektiven auf das Phänomen des Ausbildungsabbruches im Hotel- und Gaststättengewerbe vielfältig sind: Nicht nur wirtschaftliche und regionale Interessen stehen bei der Thematik im Vordergrund, sondern ebenso der Wunsch und gleichzeitig die Entwicklungsaufgabe von Jugendlichen, nach der Schule den Übergang in die Berufswelt möglichst erfolgreich zu bewältigen.

Prof. Dr. Sylke Bartmann betonte eingangs das Forschungsinteresse, das nicht gezielt auf die Vermeidung von Abbrüchen ausgerichtet war, sondern „stärker einen Prozess des Verstehens beinhaltete“: Warum brechen junge Auszubildende ihre Ausbildung ab? In welchem Passungsverhältnis stehen die Perspektiven der beiden zentralen Akteure, AusbilderInnen und AusbildungsabbrecherInnen, zueinander? In einer Gegenüberstellung verdeutlichte Prof. Dr. Astrid Hübner die Passung dieser beiden Akteure: Während AusbildungsabbrecherInnen vor allem ein schlechtes Arbeitsklima, Überstunden und nicht erfüllte Erwartungen an die Ausbildung als Gründe für den Abbruch der Ausbildung angeben, sind es aus Sicht der AusbilderInnen in erster Linie fehlende Motivation, gesundheitliche Gründe und die Überforderung des Auszubildenden, die zum Abbruch führen. Antje Handelmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes, stellte die Perspektive der Ausbilderinnen und Ausbilder dar, die sich selbst in der Rolle des Ausbildenden als zentral für den Verlauf einer Ausbildung sehen. Die Kompetenz, nicht nur fachliche Inhalte zu vermitteln, sondern auch als zentraler Ansprechpartner und Unterstützer in Hinblick auf Probleme in der Interaktion mit den Auszubildenden zu agieren, sei hier besonders relevant, ergänzte Hübner. Die Studie konnte aufzeigen, dass ein Abbruch der Ausbildung für AbbrecherInnen durchaus auch neue berufliche Wege eröffnen kann und daher nicht in jedem Fall vermieden werden sollte. Deutlich wurde aber auch, dass Abbrüche vermeidbar sind, wenn unterstützende Maßnahmen bei betrieblichen Veränderungen in Anspruch genommen würden.

Gerda Mülder (Bildungsregion Ostfriesland) äußerte sich zum Übergang Schule-Beruf in der Region Ostfriesland sowie zur Entstehung und Gestaltung der Bildungsregion Ostfriesland. Dr. Alexandra Uhly (Bundesinstitut für Berufsbildung) widmete sich in ihrem Vortrag den Strukturen, Entwicklungen und Determinanten von vorzeitigen Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung und trug damit zur Versachlichung der aktuellen Diskussion um Ausbildungsabbruch bei. Sie plädierte für eine Erweiterung der Perspektive, da es sich bei einem Ausbildungsabbruch um ein „komplexes Phänomen“ handele und nicht jede vorzeitige Vertragslösung ein Scheitern der Auszubildenden darstellt. Dirk Maier (Koordinierungsstelle Jugend-Bildung-Beschäftigung, Wien) stellte zunächst das Wiener Übergangssystem vor und ordnete im Anschluss Ergebnisse des ostfriesischen Forschungsprojektes mit einem Wiener Blick ein. Der Beitrag von Klaus Voortmann führte wiederum in die Region Ostfriesland zurück, indem er den Übergang in den Beruf lokal aus der Sicht der Agentur für Arbeit Emden betrachtete.

In der abschließenden Podiumsdiskussion kamen die Kooperationspartner des Projektes sowie Jürgen Ahlmann vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband e.V. (Dehoga) und Oliver Hublitz vom DGB zur Wort. Ausgehend von den Ergebnissen des Projektes standen im Podium drei Thesen zur Diskussion, die Anlass waren, dem Publikum die Komplexität des Phänomens Ausbildungsabbruch im Hotel- und Gaststättengewerbe zu verdeutlichen. Wie bereits im Verlauf des Tages wurde ebenso im Rahmen der Diskussion der Appell an die Betriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe laut, die Rahmenbedingungen attraktiv zu gestalten, um auf Qualität in der Ausbildung zu setzen und so auch zukünftig ausreichend Bewerber für die Berufe gewinnen zu können.

Die Moderation übernahm Antje Gronewold, die die Anwesenden durch den Tag führte. In den Pausen nutzen Gäste, ReferentInnen und Gastgeberinnen die Gelegenheit, sich angeregt zu den unterschiedlichen Perspektiven auszutauschen.

Beiträge:

Vortrag AbJOP: Prof. Dr. Sylke Bartmann, Prof. Dr. Astrid Hübner, Antje Handelmann; Hochschule Emden/Leer

Vortrag Gerda Mülder, Bildungsregion Ostfriesland

Vortrag Dr. Alexandra Uhly, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn

Vortrag Dirk Maier, Koordinierungsstelle Jugend-Bildung-Beschäftigung, Wien

Vortrag Klaus Voortmann, Agentur für Arbeit Emden

Obenstehende Bilder (Quelle: Hasso Rosenthal (1), Hochschule Emden/Leer (2-5) vermitteln einen Eindruck von der Abschlusstagung am 23.01.2014. Sofern Sie ein Foto gelöscht haben möchten: kein Problem, Anruf (04921-807-1331) oder Email genügt (antje.handelmann|at|hs-emden-leer.de).