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09.06.2017

Gerichtsverhandlung für Studierende simuliert

Prof. Dr. Mathias Münchau (v.l.), Preisträger Raik Becker und Esther Mallach, Mitglied des Vorstandes der GMAA.

GMAA veranstaltete fingiertes Schiedsverfahren an der Hochschule

Eine fingierte Schiedsgerichtsverhandlung hat es am Donnerstag am Fachbereich Seefahrt der Hochschule Emden/Leer gegeben. Die Studierenden erhielten so eine Vorstellung davon, wie Rechtsstreitigkeiten in der maritimen Wirtschaft verhandelt werden. Veranstalter war die German Maritime Arbitration Association (GMAA) aus Hamburg.

Bei einem Schiedsverfahren handelt es sich um ein Verfahren vor einem nichtstaatlichen Schiedsgericht. Es gibt nur eine Instanz, die mit einem Schiedsspruch endet, auf den sich die Schiedsrichter einigen. In dem fiktiven Fall in der Aula des Fachbereichs in der Leeraner Bergmannstraße  wurde über folgenden Fall verhandelt: Das  Schiff „Oriental Sun" der Medina Shipping (Reeder, Klägerin), das zur Reparatur bei der Werft German Yard (Beklagte) in Rostock lag, wurde mit einer Verspätung von zehn Tagen an die Klägerin zurückgeliefert. Die Parteien stritten nun über die Gründe und die rechtlichen Folgen der Verspätung. Die Klägerin macht nicht nur die vertraglich vereinbarten „liquidated damages“ für jeden Tag der Verzögerung geltend, sondern darüber hinaus Schadensersatz in Millionenhöhe für die aus der Verspätung resultierende Kündigung des nachfolgenden Chartervertrages.      

Prof. Dr. Mathias Münchau, am Fachbereich für „Maritimes Recht“ zuständig, spielte am Donnerstag einen Reedereiinspektor und zugleich Zeugen der Klägerin. Matthias Mattausch vom Fachbereich mimte hingegen den Werksleiter einer Werft. Alle weiteren Akteure waren Mitglieder der GMAA. Am Hochschulstandort in Leer werden die fingierten Verhandlungen bereits seit einigen Jahren angeboten.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Esther Mallach, Partnerin bei der Hamburger Seerechtskanzlei Dabelstein & Passehl und Mitglied des Vorstandes der GMAA. Die GMAA wurde im Jahr 1983 gegründet und versteht sich als kostengünstige Alternative zu den üblichen Schiedsverfahren in London. Der Organisation stehen etwa 200 nebenamtliche Schiedsrichter zur Verfügung. Sie stellt die entsprechenden Regularien und Informationen zur Verfügung und organisiert Informations- und Fortbildungsveranstaltungen.

Am Ende der Veranstaltung standen zudem zwei besondere Ehrungen auf dem Programm:  Henning Albrecht und Raik Becker, Absolventen des Studiengangs „Schiffs- und Reedereimanagement/ Studienrichtung Reedereimanagement und -logistik“, wurden mit dem „GMAA Legal Award“ ausgezeichnet. Albrecht hatte seine Bachelorarbeit zum Thema „Anerkennung und Durchsetzung ausländischer Schiffsgläubigerrechte für Bunkerlieferungen und andere ,Necessaries‘ sowie Möglichkeiten der Absicherung des Reeders gegenüber dem Zeitcharterer“ (Erstprüfer: Prof. Dr. jur. Mathias Münchau, Zweitprüfer: Kpt. Klaus Bergmann) mit der Note 1,0 abgeschlossen. Raik Becker erhielt für seine Arbeit mit dem Titel „Verantwortung für die Einhaltung der SOx Grenzwerte aus MARPOL Anlage VI in Zeitcharterverträgen“  (Erstprüfer: Prof. Dr. jur. Mathias Münchau, Zweitprüfer: Kpt. Klaus Bergmann) ebenfalls die Note 1,0.