Rückblick 2016

24. Oktober 2016, 19:00 Uhr


Vortrag von Prof. Dr. Lisa Herzog zum Thema

Mensch oder Marionette? Zukünftige Herausforderungen an die Unternehmenskultur“ 

Ist Arbeit in Unternehmen ein sinnstiftendes, gemeinschaftliches Unterfangen? Oder sind die Einzelnen nur hilflose Marionetten, die keinerlei Einfluss haben? Während wir im politischen Bereich von der grundsätzlichen Gleichheit aller Bürgerinnen und Bürger ausgehen und Macht demokratisch kontrolliert wird, herrschen in der Arbeitswelt Hierarchien vor. In einer zunehmend komplexeren, wissensintensiven und von digitalen Technologien durchzogenen Arbeitswelt stellt sich jedoch die Frage, wie gut eine Steuerung "von oben" funktionieren kann. Kann sie Unternehmen nicht nur ökonomisch, sondern auch moralisch auf Kurs halten? Eine zukunftsfähige Unternehmenskultur, so meine These, darf Menschen nicht zu Marionetten machen, sondern muss ihre Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, ernst nehmen. Die Frage nach dem Sinn und Zweck wirtschaftlichen Handelns und seiner Legitimität in der Gesellschaft stellt sich nicht nur an der Spitze von Unternehmen, sondern auf allen Ebenen - und Unternehmen brauchen Räume, in denen sie gestellt werden kann. 

Werdegang von Prof. Dr. Lisa Herzog

Lisa Herzog, Jahrgang 1983, studierte Philosophie, Volkswirtschaftslehre, Politologie und Neueren Geschichte in München und Oxford. 2007 legte sie das Diplom in Volkswirtschaftslehre in München ab; 2008 einen Master of Studies in Philosophie in Oxford. Von 2008 bis 2011 promovierte sie als Rhodes Scholar an der Universität Oxford zum Thema »Inventing the Market. Smith, Hegel, and Political Theory«. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin in Wirtschaftsethik an der Technischen Universität München und in Philosophie an der Universität St. Gallen mit Kurzaufenthalt an der KU Leuven. Seit 2013 ist sie Postdoc am Institut für Sozialforschung und am Exzellenz Cluster »Die Herausbildung normativer Ordnungen« der Goethe-Universität Frankfurt am Main und arbeitet dort im Projekt „Moralische Akteure auf dem Finanzmarkt“ unter Leitung von Prof. Dr. Axel Honneth. Das akademische Jahr 2014/15 verbrachte sie als Postdoc am Center for Ethics in Society, Stanford University. Ab dem 1. Juli 2016 ist sie Professorin für Politische Philosophie und Theorie an der Hochschule für Politik der TU München.

Lisa Herzog lehrt und forscht an der Schnittstelle von Philosophie, Ökonomie und Sozialwissenschaften. Sie hat sich unter anderem mit der Geschichte des politischen und ökonomischen Denkens und ihren gegenseitigen Bezügen sowie mit der Natur von Märkten aus einer philosophischen Perspektive beschäftigt. Derzeitige Forschungsschwerpunkte sind Ethik in komplexen Organisationen und Fragen zur moralischen Gestaltung von Finanzmärkten. Daneben interessiert sie sich für methodische Fragen der interdisziplinären Zusammenarbeit und für die Vermittlung von Philosophie in der Öffentlichkeit. Sie ist Mitglied des internationalen Philosophie-Blogs Justice Everywhere, der sich mit Gerechtigkeitsfragen der Gegenwart beschäftigt (www.justice-everywhere.org).

Wichtige Veröffentlichungen sind u.a. Inventing the Market. Smith, Hegel, and Political Theory (Oxford University Press, 2013; Paperback 2016), Freiheit gehört nicht nur den Reichen. Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus (C.H. Beck 2014), Der Wert des Marktes (herausgegeben mit Axel Honneth, Suhrkamp 2014) sowie zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften.

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