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04.07.2017

Schonende Chirurgie an den Stimmlippen

EU-Verbundprojekt des Instituts für Laser und Optik der Hochschule

Operationen an den Stimmbändern per Laser und nur unter örtlicher  Betäubung vornehmen – ein Projekt, dass diese zukunftsträchtige Technik möglich machen soll, ist jetzt mit einem Kick-Off-Meeting an der Hochschule Emden/Leer gestartet. Neben dem Institut für Laser und Optik (ILO) unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Neu sind auch die Leibniz Universität Hannover (LUH) und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) beteiligt. 

Das Projekt mit dem Titel "OPhonLas" soll die Lebensqualität von Patienten mit krankhaften Veränderungen an den Stimmlippen durch Wiederherstellung der Stimme verbessern. Geplant ist dafür eine Kombination modernster Methoden, die unter anderem Themen wie Bildverarbeitung, Lasertechnologie und den Einsatz spezieller medizinischer Instrumente betreffen.
 
„Der Vorteil bei derartigen Eingriffen in Lokalanästhesie liegt unter anderem in der Möglichkeit, die Stimmgebung während des Eingriffs zu überprüfen und während der OP Verfeinerungen durchführen zu können“, so Neu. Dabei seien Operationen unter örtlicher Betäubung in der Regel schonend und in den meisten Fällen auch deutlich angenehmer als unter Vollnarkose. Der Vorteil gezielter, berührungsloser Laserchirurgie liegt unter anderem in der Vermeidung eines Schluck- oder Würgereflexes beim Patienten werde, der solche Eingriffe derzeit noch schwierig oder gar unmöglich macht.

Das Forschungsteam wird daher ein medizinisches Instrument entwickeln, mit dem krankhaftes Gewebe für den Patienten schonend und mit äußerster Präzision entfernt werden kann. Da der Betroffene bei Bewusstsein ist, kann er nach Aufforderung einen Ton von sich geben. Dieser versetzt die Stimmlippen in Schwingungen, deren Intervalle wiederum durch das neuartige Instrument erfasst und ausgewertet werden können.  Der Chirurg kann die krankhafte Veränderung somit präzise lokalisieren und zugleich nur einen so großen Teil der „Knötchen“ entfernen, wie nötig.

Die Gesamtfördersumme des Projekts liegt bei mehr als 1,2 Millionen Euro. Gefördert wird es durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). In Neus Arbeitsgruppe ist eine Promotion in Kooperation mit der LUH Hannover verbunden. Ein Absolvent des Studiengangs Angewandte Lasertechnik der Hochschule Emden/Leer, Dr. Heiko Meyer, leitet die beteiligte Abteilung des Laser-Zentrums Hannovers (LZH). Als Doktorand ist James Napier, der an der Hochschule Engineering Physics studiert hat, seit Mitte Mai im Projekt beschäftigt. Beteiligt ist weiterhin die Firma LISA laser products OHG, die ein klinisches Lasersystem und großes Fachwissen zur Verfügung stellen wird.

Wie Neu betonte, wolle man nach der erfolgreichen Umsetzung des Projekts das Know-How weitergeben. So sollen auch Patienten in der Region von der neuen Technologie, die auch für den Bereich der Augenheilkunde von Bedeutung sein könne, profitieren. Zugleich werde mit dieser völlig neuen Methode überregional auf das fachliche Potenzial in der Region aufmerksam gemacht - als Ausgangsort für eine der modernsten Behandlungsmöglichkeiten, die zurzeit vorstellbar seien. „Ziel ist, dass in Niedersachsen das erste Therapiezentrum für OCT-geregelte Laserablation bei Stimmlippen-Phonation entsteht und somit Patienten (über-)regional mitunter an den Standort überwiesen werden“, so Neu.