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12.04.2017
Von: Stadt Emden

Prof. Paech lobt Emden und warb für Ressourcenschonung

Niko Paech

Über „Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Wirtschaftswachstum sowie die Rolle der Suffizienz“ hat der renommierte Postwachstumsökonom Prof. Dr. Niko Paech von der Universität Siegen am Montagabend im Rummel des Emder Rathauses referiert. Er war auf Einladung der Hochschule Emden/Leer und der Stadt Emden im Rahmen des vom Bund geförderten Projektes „Masterplan 100 % Klimaschutz“ in Emden.  Oberbürgermeister Bernd Bornemann begrüßte den Redner und machte deutlich, dass das gemeinsame Engagement für Nachhaltigkeit und Fairtrade von Stadt und Hochschule ein guter Grund für die Fortsetzung der im vergangenen Jahr begonnenen Vortragsreihe der Stadt Emden und der Hochschule ist.

Im mit mehr als 100 Besuchern voll besetzten Rummel hob  der Referent ausdrücklich die bisherigen Klimaschutzaktivitäten der Stadt Emden, sowie die Nachhaltigkeitsstrategie der Hochschule hervor. Beide können damit durchaus als Vorbilder für andere deutsche und europäische Kommunen und Bildungseinrichtungen dienen, so Paech.

Der Wissenschaftler zeigte in seinem Vortrag seine rhetorischen und unterhaltsamen Qualitäten. Seine spannenden Ausführungen kamen beim Publikum gut an – und führten zum Nachdenken.  Inhaltlich setzte sich Paech kritisch mit dem Thema Energiewende auseinander. Wind- und Solarenergie sind die Eckpfeiler der zukünftigen Energieversorgung, meinte Paech. Für Paech stellen die bisherigen Bemühungen bezüglich der Energiewende einen rein technischen Versuch dar, die Treibhausgase auf ein verträgliches Maß zu reduzieren, um so das  Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Dabei komme es jedoch vermehrt zu Konflikten mit dem Landschafts- und Naturschutz. Zudem würden die Widerstände in der Bevölkerung gegen den ungebremsten Ausbau entsprechender Anlagen zunehmen. Paech machte aber deutlich , dass das Wissen um die Klimaschädlichkeit beispielsweise des Flugverkehrs in der Bevölkerung nicht etwa zu einem konsequenten Umdenken, sondern eher zu alternativen klimafreundlichen Verhaltensweisen wie etwa dem Kauf von Bioprodukten führten. Der Ausstoß an Treibhausgasen steige in der Folge weiter an.

Eine Lösung sieht Paech in der Anwendung der s.g.  Suffizienz.  Das heißt, das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch. Nur so könne in Zeiten von Klimawandel, Schuldenkrisen und Verknappung von Ressourcen, auf deren kostengünstiger Verfügbarkeit das industrielle Wohlstandsmodell bislang basierte, auch künftig ein guter Lebensstandard gewährleistet werden. In Bezug auf die Glücksforschung zeigte Paech, dass eine Postwachstumsökonomie mit einem prägnanten Rückbau des geldbasierten Systems sozial und fair sei - aber eben auch den Spaßfaktor beinhaltet.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, dass trotz zum Teil kontroverser Ansichten zu Klimaschutz und Konsum durchaus Anknüpfungspunkte bestehen, um eine Postwachstumsentwicklung auch parallel zu anderen Lebensstilen entwickeln zu können. Jann Gerdes, Klimaschutzmanager Stadt Emden: „Die Stadt Emden wird das Thema im Rahmen des „Masterplan 100% Klimaschutz“ bei weiteren Veranstaltungen im Mai und Juni erneut aufgreifen.“